Aufgefallen: Ganz schlau wird man beim Durchblättern der neunseitigen Anzeigenstrasse für den Fotografen Adrian
AufgefallenGanz schlau wird man beim Durchblättern der neunseitigen Anzeigenstrasse für den Fotografen Adrian Portmann in einem Kultheftli nicht. Unter dem Motto «Action…Reaction» wird für das Talent des Auftragsuchenden geworben. Mal mit einer
Kolumne
Intimitäten des Alltags Von Mike Müller
Als emotioneller Waschlappen verwöhne ich mich bei depressiver Grosswetterlage mit Fernsehwerbung. Was gibt es Heiligeres als den Morgenkafi – jeder Kaffee-Spot treibt folgedessen meine schmutzigen Geschmacksfantasien auf den Höhepunkt. Es passierte mir schon, dass sich mein Verdauungsapparat allein durch das Gucken der Bilder in Bewegung setzte. Oder Autos: Mein Garagist droht mir immer wieder mal mit Sätzen wie «der Automat machts nicht mehr lange». Herrgott, da lege ich hinterher bei Auto-Filmchen eine Sensibilität an den Tag, mit der ich schon manche Beziehung hätte retten können. Und am schärfsten sind Kinder, egal, für welches Produkt sie eingesetzt werden, da bereut jeder gestandene Mann seine Vasektomie und verdrückt ein paar bittere Tränen. Das Nonplusultra ist und bleibt aber die Waschküche. Wie oft stehe ich in alten Jeans und verwaschenen Sweatshirts da unten und sehne mich nach jenen selbstgenügsamen Frauen, die man mit einer Packung Omo glücklich machen kann? Ich glaube, die brauchen nicht mal Sex. Mein Analytiker, ein ehemaliger Werber, versucht mir dann jeweils die psychologischen Grundlagen dieses Systems klar zu machen. Er klagt seine ehemaligen Kollegen aufs Schwärzeste an und will aus mir ein Opfer machen. Nach diesen Sitzungen ist Fernsehwerbung immer sehr anstrengend für mich. Ich muss dieser emotionalen Wucht dermassen viel Vernunft entgegenschleudern, dass ich meistens schon vor den Waschmitteln einschlafe. Hinterher bezeichnet mich mein Garagist als kaltes Arschloch, ich trage Kleider mehrere Wochen, damit ich mir kein Waschküchentrauma hole, und benütze selbst zum Onanieren ein Kondom, damit mir der Kinderwunsch emotional nichts anhaben kann. Mein Analytiker, der ehemalige Werber, ist ein schlauer Fuchs. [email protected] Mike Müller ist Darsteller.
Business Lunch
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält Schon Gottfried Keller empfahl, die Anreise nach Zürich vom See aus zu unternehmen. Kein schlechter Gedanke, wenn der Spätfrühling einzieht: Eine kleine Schiffsreise, Kellers Gedichte in der Tasche und viel Sonne – so lässt sich wohl dem Müssiggang begegnen. Stellt sich Hunger dabei ein, kann man ihn ja im Lake Side Casino Zürichhorn ebenso gut stillen wie des Kellers nachgetragene Lust am Schoppen (für Nicht-Germanisten: Rotwein, natürlich).
Da sitzt man also, die Gedanken bei Keller, auf der Terrasse des für sehr viel Geld umgebauten Casinos, an Tischen mit Glasplatte und auf federleichten Stühlen. Der Sonne wärmender Strahl bricht sich spiegelnd auf der Oberfläche des Zürichsees, man denkt sich keine Arglist mehr aus, freut sich am Flug der Möwen, den schnatternden Enten und sich plusternden Schwänen.
Natürlich, wer so viel Sinneslust in einem Restaurant über Mittag geniessen will, muss das vorher minutiös planen, denn ohne Reservation sind die Terrassenplätze bald besetzt. Und das lohnt sich schon, nicht nur der Aussicht voller Liebreiz wegen. Der Business Lunch ist eine Reise an die Bellerivestrasse durchaus wert. Für 38 Franken gibts die Auswahl unter zwei Vorspeisen, danach einen Hauptgang und zum Kaffee Friandises.
Am Tage des Besuchs fiel die Wahl statt auf Romanesco-Schaumsuppe mit gebackener Garnele auf Carpaccio, garniert mit Cherry-Tomaten und Feldsalat. Vier Scheiben dieses rohen Rindfleisches lagen auf dem Teller: Nicht zu viel und nicht zu wenig, um beherzt dem zweiten Gang entgegenzublicken: Wiener Schnitzel mit gebratenen Kartoffeln und Gemüse, und das wird grad auf einem reichlich und schön gefüllten Teller gereicht.
Natürlich, das Fleisch war vom Schwein, das Kalb hätte keine Chance gehabt – bei diesen Preisen. Die Bratkartoffeln waren wohl eine sättigende Beilage, aber warum nicht? Schliesslich präsentiert sich die Natur rund um das Ufer in opulenten Farben, da darf der Hunger für einmal auch recht kräftig ausfallen. Und zudem: Es war alles picobello angerichtet und von emsigen Kellnern zu Tisch gebracht. Damit taten auch sie das Ihrige dazu, um den herbei gesehnten Unterbruch des neuen Tagwerks gar löblichst zu verschönern. Fürwahr, Keller hätte seine helle Freude am neuen Etablissement an den Gestaden des von ihm so schön besungenen Sees gehabt. Zumal die Küche sich ohne Firlefanz präsentiert, und wohl wichtiger noch: Er hätte vielleicht weniger Schweizer Tropfen im Offenausschank angetroffen wie weiland zu seinen Lebzeiten, doch weil der Staatsschreiber mitunter auch ein Staatsmann war, hätte er wohl in der reichen Auswahl der kredenzten Weine mit sicherer Hand etwas Schönes gefunden. Und sich hernach gefreut, dass er nicht viel von seinem Lohn dem Wirte hätte auf den Tisch legen müssen. Ob so viel Seligkeit wärs ihm auch egal gewesen, hätte hie und da ein Handy gebimmelt. Carlo Bernasconi [email protected]
Lake Side Casino Zürichhorn
Bellerivestrasse 170
8008 Zürich
Tel. 01 385 86 00
Fax 01 385 86 01
Parkplätze gibts zuhauf!
