Ambitiös, aber mit Chancen
Mediaplaner und sogar Konkurrenten aus Basel und Zürich geben dem Sonntagsprojekt der Neuen Zürcher Zeitung mehrheitlich eine Chance – wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Mediaplaner und sogar Konkurrenten aus Basel und Zürich geben dem Sonntagsprojekt der Neuen Zürcher Zeitung mehrheitlich eine Chance – wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen.Praktisch unbestritten ist zudem die Tatsache, dass die andern, ähnlich gelagerten Titel zumindest teilweise Federn lassen müssen.«Ich glaube, dass das NZZ-Projekt durchaus Chancen haben könnte. Die beiden Deutschschweizer Sonntagstitel erreichen lediglich gut einen Drittel der Bevölkerung, jenseits des Röstigrabens hingegen kommt allein Le Matin Dimanche auf rund 50 Prozent Reichweite. Rein von den Zahlen her ist im Lesermarkt also Potenzial vorhanden, auch in jenem Lesersegment, das die NZZ ansprechen will.
Von den beiden bestehenden Titeln wird sicher die SonntagsZeitung (SoZ) stärker tangiert sein, doch insgesamt wird die Sonntagspresse gestärkt. Denn überregionale Titel sind kostengünstiger als normale Tageszeitungen. Falls dies auch beim NZZ-Projekt der Fall sein wird, stösst eine Ausweitung der überregionalen Presse bei den Inserenten sicherlich auf Interesse.»
«Ich zähle mich seit 40 Jahren zu den Kernlesern der NZZ und warte schon seit drei bis vier Jahren darauf, dass ein solches Sonntagsprojekt endlich kommt. Ich bin überzeugt, dass es ein Erfolg wird. Zwar wird das NZZ-Sonntagsblatt möglicherweise die eigene Samstagausgabe kannibalisieren, doch die grössten Probleme wird wohl der Verlag an der Werdstrasse bekommen. Denn die SoZ hat ihre Qualität in den letzten Jahren nicht verbessert, weshalb die Zahl der frustrierten SoZ-Leser zugenommen hat. Mittelfristig wären diese vielleicht zum SonntagsBlick (SoBli) abgewandert, jetzt erhalten sie aber eine neue Perspektive.»
«Das NZZ-Sonntagsprojekt ist ein schwieriges Unterfangen, nur schon vom Vertrieb her. Und das gesteckte Ziel, mittelfristig auf eine Auflage von 150000 Exemplaren zu kommen, ist ambitiös.
Mit den bestehenden zwei Titeln ist der Sonntagsmarkt eigentlich abgedeckt, es lässt sich am Sonntag kaum mehr Reichweite generieren. Deshalb wird es zu einem Verdrängungskampf kommen, wobei die SoZ unter Druck geraten und der SoBli als Gewinner aus dem Rennen gehen könnte.
Ich bin von einer siebten NZZ-Ausgabe nicht sehr begeistert. Werktags braucht es eine intelligente Zeitung, aber am Wochenende ziehe ich persönlich die leichte Kost vor.»
«Die NZZ am Sonntag dürfte sowohl den Leser- als auch den Anzeigenmarkt beleben. Die SoZ von der Tamedia ist mit ihrem inhaltlich und optisch eigenständigen Profil so glänzend positioniert, dass sie der neuen Konkurrenz gelassen entgegensieht. Dass nun auch die NZZ in den Sonntagsmarkt einsteigen will, ist Ausdruck des allgemein steigenden Bedürfnisses nach Information und zeigt, dass noch Potenziale vorhanden sind. Aufgrund der eingeschlagenen Linie der SoZ und ihrer breiten Verankerung bei einem interessanten Publikum wird auch unser Wochenendtitel von der Bewegung im Markt profitieren.»
«Vom Markt her ist klar, dass ein Potenzial besteht: Es gibt sicher Leser, die noch nicht abgeholt werden. Zudem können mit Blick, Tages-Anzeiger und NZZ werktags ja auch drei Titel gut nebeneinander existieren, deshalb sollte dies eigentlich auch sonntags funktionieren.
Kurzfristig wird die SoZ wohl etwas Werbung und auch einige Leser verlieren; ob dies auch mittelfristig so bleiben wird, ist hingegen offen. Die SoZ ist gut positioniert und erreicht ja heute mehr Entscheidungsträger als die NZZ. Insgesamt wird aber der Sonntagsmarkt interessanter, was auch den zwei bestehenden Titeln helfen wird.»
«Ich finde den Entscheid der NZZ sehr mutig, bin aber nicht sicher, ob für ein neues Blatt genügend Leser da sind. Für die Weltwoche wird das Blatt aber eine ernst zu nehmende Konkurrenz im Anzeigenmarkt. Sie muss sich deshalb so positionieren, dass sie sich im nächsten Frühling trotz NZZ-Projekts behaupten kann. Im Lesermarkt hingegen wird die Weltwoche weniger tangiert werden. Ihre Leserschaft kann mit einem zürcherisch-freisinnigen Produkt nicht allzu viel anfangen. Die Weltwoche bildete schon bisher bis zu einem gewissen Grad einen Gegenpol.»
Bruno Blaser, Verlagsleiter
Blick-Gruppe:
«Das Projekt muss man selbstverständlich sehr ernst nehmen. Jedes weitere Objekt ist ein Konkurrent – unabhängig von der publizistischen Ausrichtung. Deshalb zucken wir nicht bloss die Schultern, sondern müssen uns Massnahmen überlegen. Näheres kann ich noch nicht sagen.
Was im Anzeigenmarkt geschehen wird, ist offen: Möglich, dass die Sonntagspresse gestärkt wird, möglich aber auch, dass neu drei Titel die Sonntagsbudgets untereinander aufteilen müssen.
Der Vertrieb des neuen Blattes wird teuer für die NZZ. Es ist nicht auszuschliessen, dass wir ihr mit dem SoBli-Vertrieb Hand bieten; man soll ja nie die Türe zuschlagen. Gespräche haben bisher aber noch nicht stattgefunden, zumindest nicht auf meiner Stufe.»
Umfrage: Markus Knöpfli
Von den beiden bestehenden Titeln wird sicher die SonntagsZeitung (SoZ) stärker tangiert sein, doch insgesamt wird die Sonntagspresse gestärkt. Denn überregionale Titel sind kostengünstiger als normale Tageszeitungen. Falls dies auch beim NZZ-Projekt der Fall sein wird, stösst eine Ausweitung der überregionalen Presse bei den Inserenten sicherlich auf Interesse.»
«Ich zähle mich seit 40 Jahren zu den Kernlesern der NZZ und warte schon seit drei bis vier Jahren darauf, dass ein solches Sonntagsprojekt endlich kommt. Ich bin überzeugt, dass es ein Erfolg wird. Zwar wird das NZZ-Sonntagsblatt möglicherweise die eigene Samstagausgabe kannibalisieren, doch die grössten Probleme wird wohl der Verlag an der Werdstrasse bekommen. Denn die SoZ hat ihre Qualität in den letzten Jahren nicht verbessert, weshalb die Zahl der frustrierten SoZ-Leser zugenommen hat. Mittelfristig wären diese vielleicht zum SonntagsBlick (SoBli) abgewandert, jetzt erhalten sie aber eine neue Perspektive.»
«Das NZZ-Sonntagsprojekt ist ein schwieriges Unterfangen, nur schon vom Vertrieb her. Und das gesteckte Ziel, mittelfristig auf eine Auflage von 150000 Exemplaren zu kommen, ist ambitiös.
Mit den bestehenden zwei Titeln ist der Sonntagsmarkt eigentlich abgedeckt, es lässt sich am Sonntag kaum mehr Reichweite generieren. Deshalb wird es zu einem Verdrängungskampf kommen, wobei die SoZ unter Druck geraten und der SoBli als Gewinner aus dem Rennen gehen könnte.
Ich bin von einer siebten NZZ-Ausgabe nicht sehr begeistert. Werktags braucht es eine intelligente Zeitung, aber am Wochenende ziehe ich persönlich die leichte Kost vor.»
«Die NZZ am Sonntag dürfte sowohl den Leser- als auch den Anzeigenmarkt beleben. Die SoZ von der Tamedia ist mit ihrem inhaltlich und optisch eigenständigen Profil so glänzend positioniert, dass sie der neuen Konkurrenz gelassen entgegensieht. Dass nun auch die NZZ in den Sonntagsmarkt einsteigen will, ist Ausdruck des allgemein steigenden Bedürfnisses nach Information und zeigt, dass noch Potenziale vorhanden sind. Aufgrund der eingeschlagenen Linie der SoZ und ihrer breiten Verankerung bei einem interessanten Publikum wird auch unser Wochenendtitel von der Bewegung im Markt profitieren.»
«Vom Markt her ist klar, dass ein Potenzial besteht: Es gibt sicher Leser, die noch nicht abgeholt werden. Zudem können mit Blick, Tages-Anzeiger und NZZ werktags ja auch drei Titel gut nebeneinander existieren, deshalb sollte dies eigentlich auch sonntags funktionieren.
Kurzfristig wird die SoZ wohl etwas Werbung und auch einige Leser verlieren; ob dies auch mittelfristig so bleiben wird, ist hingegen offen. Die SoZ ist gut positioniert und erreicht ja heute mehr Entscheidungsträger als die NZZ. Insgesamt wird aber der Sonntagsmarkt interessanter, was auch den zwei bestehenden Titeln helfen wird.»
«Ich finde den Entscheid der NZZ sehr mutig, bin aber nicht sicher, ob für ein neues Blatt genügend Leser da sind. Für die Weltwoche wird das Blatt aber eine ernst zu nehmende Konkurrenz im Anzeigenmarkt. Sie muss sich deshalb so positionieren, dass sie sich im nächsten Frühling trotz NZZ-Projekts behaupten kann. Im Lesermarkt hingegen wird die Weltwoche weniger tangiert werden. Ihre Leserschaft kann mit einem zürcherisch-freisinnigen Produkt nicht allzu viel anfangen. Die Weltwoche bildete schon bisher bis zu einem gewissen Grad einen Gegenpol.»
Bruno Blaser, Verlagsleiter
Blick-Gruppe:
«Das Projekt muss man selbstverständlich sehr ernst nehmen. Jedes weitere Objekt ist ein Konkurrent – unabhängig von der publizistischen Ausrichtung. Deshalb zucken wir nicht bloss die Schultern, sondern müssen uns Massnahmen überlegen. Näheres kann ich noch nicht sagen.
Was im Anzeigenmarkt geschehen wird, ist offen: Möglich, dass die Sonntagspresse gestärkt wird, möglich aber auch, dass neu drei Titel die Sonntagsbudgets untereinander aufteilen müssen.
Der Vertrieb des neuen Blattes wird teuer für die NZZ. Es ist nicht auszuschliessen, dass wir ihr mit dem SoBli-Vertrieb Hand bieten; man soll ja nie die Türe zuschlagen. Gespräche haben bisher aber noch nicht stattgefunden, zumindest nicht auf meiner Stufe.»
Umfrage: Markus Knöpfli
