Alle im selben Bötchen

Versicherungen Die Mobiliar hat einen Überschuss erzielt und verteilt das Geld an ihre Kunden. Daraus macht Wirz Werbung eine ganze Kampagne.

Versicherungen Die Mobiliar hat einen Überschuss erzielt und verteilt das Geld an ihre Kunden. Daraus macht Wirz Werbung eine ganze Kampagne.«Wenn es bei uns gut läuft, profitieren alle.» Mit diesem Claim macht Wirz Werbung bekannt, dass die Mobiliar allen Kunden etwas von ihren Versicherungsprämien zurückzahlen kann. «Überschusskampagne» nennt sich diese Imagewerbung.Solche Überschusszahlungen haben bei der Mobiliar Tradition. Seit 1981 hat die Versicherung rund 372 Millionen Franken wieder ausbezahlt. In diesem Jahr sind es 10 Prozent der Nettoprämie oder 50 Millionen Franken. Möglich ist das sommerliche Weihnachtsmärchen vom Geldregen nicht nur für grosse, sondern auch für kleine Kunden, weil die Mobiliar in der Gesellschaftsform einer Genossenschaft organisiert ist. Bei einer Genossenschaft profitieren nicht anonyme Aktionäre, sondern viele Kundinnen und Kunden.
Das sind bei einer Million Versicherter viele. Dies hat Wirz visuell umgesetzt mit vielen kleinen Statussymbolen, die haufenweise auftreten. Die Kampagne bringt damit auf den Punkt: Nicht ein Einzelner kann sich dank dem Überschuss der Mobiliar eine Luxusjacht leisten, sondern viele kommen zu einem kleinen Schiffchen.
Fairness optisch umgesetztEntsprechend arbeiten alle vier Sujets mit verkleinerten Statussymbolen, die grosse Aktionäre sonst im Grossen hätten: Haus, Pferd, Jacht, Privatjet. In der genossenschaftlichen Verkleinerung sind entsprechend jeweils mehrere der Symbole in eine einzelne Einheit wie Standplatz, Stallbox oder Grundstück eingepasst worden. Überraschend, plakativ umgesetzt und leicht verständlich will die Kampagne bekannt machen: Komm zur Mobiliar, das ist eine faire Versicherung.
«Die Idee passt gut in die Zeit. Vor fünf Jahren wäre eine Werbung mit diesem Grundgedanken wohl weniger gut angekommen als heute», meint CD Matthias Freuler. In der Zeit des Börsenfiebers wirkte eine Genossenschaft veraltet. Jetzt sind die Aktiengesellschaften unter Druck geraten, und die Mobiliar kann ihren Trumpf Gewinn bringend für alle ausspielen. Sehen kann man die verschiedenen Sujets ab sofort in der ganzen Schweiz als Plakat, doppel- und halbseitige Anzeigen sowie als TV-Spot im Fernsehen. Im clever gemachten Film landet eine Möve auf einer Mini-Jacht, dann zieht die Kamera auf und man sieht viele kleine Boote. Dazu wurde jedes Modellboot einzeln in seiner Position gefilmt. Dann wurden die Schiffchen, individuell schaukelnd, am Computer zusammengesetzt. Die dressierte Möve konnte auf Kommando vor einer Bluescreen starten und landen. Das grafische Element der Büroklammer in den Anzeigen ergibt eine Verbindung zur bisher bekannten Kampagne mit den Schadenprotokollen. Im Herbst soll dann eine weitere Serie mit diesen witzigen Zeichnungen folgen. Diese Schadenprotokolle sind bei Jean Etienne Aebi und Publicis erfunden worden. Als Publicis das Budget der «Zürich»-Versicherung gewonnen hatte, musste die Agentur aus Konkurrenzgründen ihren Kunden Mobiliar abtreten. Nach einer Agenturevaluation wechselte das Budget zu Wirz Werbung. Matthias Freuler freut sich über diesen Sieg, weil sein «Baby» jetzt wieder zu ihm zurückgefunden hat: Freuler war bei der Geburt der Kampagne noch bei Publicis beteiligt. Mit dem Wechsel zu Wirz sind nun auch alle anderen Angebote wie Mobilife oder Mobijeune bei nur noch einer Werbeagentur gebündelt worden.
Geteilter Profit: Statt ein Pferd für einen gibt es Pferdchen für alle.
Andreas Panzeri

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