Aktenzeichen XY, Operation Flasche

Recycling PRS und SFLB lancieren eine Grossfahndung. Sie jagen Pet-Flaschen für 120 Millionen Franken.

Recycling PRS und SFLB lancieren eine Grossfahndung. Sie jagen Pet-Flaschen für 120 Millionen Franken.
Nicht ein Meteorit, sondern die ungenügende Sammelquote bedeutete das Todesurteil für den blauen Dinosaurier des Vereins Pet-Recycling Schweiz (PRS). «Die Botschaft, die wir jetzt vermitteln müssen, verlangt eine völlig neue Umsetzung», so Jean-Claude Würmli, Leiter Marketing beim PRS. Zwar sei es dem Werbesaurier gelungen, die Recycling-Quote auf 71 Prozent zu stemmen – im EU-Raum sind es lediglich 30 Prozent. Doch mit dem rasanten Absatzwachstum konnte seine Pädagogik nicht mithalten. 45800 Tonnen in den Vertrieb …
Rekordverdächtige 90 Prozent aller grossen, leeren Pet-Getränkeflaschen aus dem Heimkonsum werden zur Sammelstelle gebracht. Bei den Halb- und Drittelliterflaschen jedoch, die wegen ihrer Convenience-Eigenschaften anteilsmässig stark zugenommen haben, lässt die Sammeldisziplin der Konsumenten einiges zu wünschen übrig. Weil von diesen Gebinden nur rund die Hälfte den Weg zurück in die Wiederverwertung findet, sieht sich der PRS gezwungen, neue Sammelstellen zu eröffnen. Eine Studie des Vereins zeigte, dass, wo Pet-Container stehen, die leeren Flaschen auch am vorgesehenen Ort landen. Seit Anfang 2004 wächst deshalb das Sammelstellennetz wöchentlich um rund 50 neue Stellen.
Doch das ist zu wenig, gesteht Würmli. 21000 Pet-Sammelstellen sollen bis Ende Jahr zur Verfügung stehen; in erster Linie bei den
Verkaufsstellen, die gesetzlich zur Rücknahme verpflichtet sind. Doch der Termindruck wächst: Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft pocht auf die Einhaltung der Getränkeverpackungsverordnung und droht mit der Einführung des Flaschenpfands, was gesamtschweizerisch 120 Millionen Franken kosten würde.
… und knapp 32500 gesammelt
Um den Ernst der Lage deutlich zu machen – es fehlen 1840 Tonnen –, leitete die Agentur Spillmann Felser Leo Burnett (SFLB) im Auftrag des PRS eine Fahndung nach jeder falsch entsorgten Pet-Flasche ein.
Professionelle Unterstützung erhält die Suche durch den ehemaligen «Aktenzeichen XY»-Moderator Konrad Toenz. In drei TV-Spots, die den früheren XY-Sendungen nachempfunden sind, ruft Toenz die Bevölkerung zur Mithilfe auf. So etwa bei der Suche nach einer 1,5-Liter-Pet-Flasche, die seit zwei Jahren verschwunden ist. Oder: «Eine grüne Getränkeflasche, zirka 23 Zentimeter hoch, die letztmals im Kanton Schwyz oberhalb Rickenbach auf dem Vita-Parcours gesehen wurde», so Toenz in bedeutungsschwangerem Ton. Verstärkt wird die Kampagne durch Fahndungsplakate, auf denen, im Stil erkennungsdienstlicher Fotos der Polizei, einschlägige Abbildungen verschiedener Pet-Flaschen abgebildet sind.
Mit diesem ironischen Appell wollen die Verantwortlichen die Konsumenten zum Mitmachen animieren und ihre Einstellung positiv beeinflussen. Und wie sollte dies nachvollziehbarer sein als mit der Suche nach jeder einzelnen Pet-Flasche. Schliesslich sei jede Flasche wichtig, sagt Würmli.
Pet auf der Fahndungsliste: Der ehemalige «Aktenzeichen XY»-Mann Konrad Toenz ruft in ironischen Spots zum Recycling auf.
Luca Aloisi

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