Zu guter Letzt: Zeitungsmisere en français

Frankreich ist kein Land von Zeitungslesern. Viele kultivierte Bürger halten die Lektüre der Tagespresse für Zeitverschwendung und widmen sich lieber ihrem Croque Monsieur. Nun wollen 26 Schreiberlinge mit einer Internetplattform den französischen Qualitätsjournalismus retten.

Frankreich, das Land mit der wohl schönsten Präsidentengattin der Welt. La grande nation, Land der guten Tischmanieren, der kulinarischen Leckerbissen, der kultivierten Sprache. Doch eines ist Frankreich ganz sicher nicht: Ein Land von Zeitungslesern. Gerade mal knapp eine Million Exemplare setzen die sieben nationalen Tageszeitungen pro Tag gemeinsam ab – und das bei einer Bevölkerung von fast 65 Millionen Menschen. Woran das liegt? Einerseits an der fast traditionellen Zeitungsabneigung der Franzosen – sogar viele kultivierte Bürger halten die Lektüre der Tagespresse für Zeitverschwendung und widmen sich lieber ihrem Croque Monsieur. Andererseits an Gratisblättern wie 20 Minutes oder Direct Matin, die den angestammten Titeln genau wie in der Schweiz das Wasser abgraben.
Le Monde, mit einer Auflage von gut 350’000 Exemplaren immer noch die grösste und wichtigste meinungsbildende Zeitung des Landes, muss deshalb weiter redimensionieren. Nachdem bereits vor drei Jahren 90 Journalisten ihren Job verloren hatten, ist nun die Streichung von 130 weiteren Stellen geplant. Die französische Presse sei am Ende, schreibt nun Kulturjournalist Sylvain Bourmeau in der FAZ. Der Qualitätsjournalismus scheint in Gefahr. Dessen Errettung hat sich jetzt eine Gruppe von 26 ehemaligen hochrangigen Schreiberlingen angenommen. Ihr Zaubermittel: das Internet. Seit einem Monat produzieren sie unter Mediapart.fr eine täglich aktuelle Netzzeitung mit Qualitätsanspruch. Die Finanzierung soll hauptsächlich über Abonnemente erfolgen. Für neun Euro pro Monat ist man dabei. Vielleicht findet unser Nachbarland im iPhone-Zeitalter auf diesem Weg zum Zeitungslesen zurück.

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