Zu guter Letzt: Wie kann man nur
Mein Name ist nicht Theophil Butz*, ich bin weiss Gott keine Markenexpertin, und «Zu guter Letzt» ist bestimmt keine Rubrik, die als Ventil für angestauten Ärger oder ähnliche Gefühle dienen soll. Trotzdem muss es einfach wieder mal gesagt sein: Wie kann man nur!
Ich weiss nicht, ob mit mir irgendwas nicht stimmt, oder ob es auch anderen Menschen so geht: So sehr ich Cailler-Produkte normalerweise schätze – jedesmal, wenn ich eine Schachtel feiner «Fémina»-Pralinen sehe, muss ich unwillkürlich an Frauenkondome, Intimpflegebalsam für die Dame, Antibaby-Pille, Achselhaarentfernungscrème oder an sonst irgendwelche «femininen» Artikel denken. Ich kann einfach nicht anders. Und auch seit ich weiss, wieso Cailler das Produkt so nennt («Das zarte Meisterstück aus cremiger Schokolade schmilzt im Mund wie das Herz einer Frau bei einem ehrlichen Kompliment.»), kriege ich die unappetitlichen Bilder nicht aus dem Kopf. Keine Chance. Lieber verzichte ich ganz auf Schokolade, als dass ich ein solches Stückchen esse und danach den üblen Damenbinden-Nachgeschmack mit einem Schnaps runterspülen muss.

Apropos «es ist zwar nicht topaktuell und es wurde bestimmt bereits mehrfach diskutiert, aber es muss einfach wieder mal gesagt sein»: Wie kann man sich nur für ein Logo wie dieses

entscheiden? Zugegeben, die Auswahl in den Rio-Getränkemärkten ist gut, die Preise auch, aber rechtfertigt dies eine solche Anti-Kunst? Über die Farben liesse sich ja streiten, und das i, das im lustigen Palmenlook daher kommt, vermag vielleicht den einen oder anderen Mitbürger zu verzücken. Doch WIESO «usw», wenn doch ausser Getränken gar nichts aufgezählt wird, und WIESO ein Komma nach «Getränke»? Gedanken, die mich regelmässig beschäftigen, wenn ich an einem Rio Getränke, usw…-Markt vorbeigehe. Und vielleicht ist es ja gerade das, was die Schöpfer dieses Logos beabsichtigt haben – ein schlechter Gedanke ist schliesslich immerhin ein Gedanke, und nur kein Gedanke ist ein schlechter Gedanke. Oder so. Die Werbewoche-Onlineredaktion wünscht einen gelungenen Start in die neue Woche!
Sophie Schellenberg-Häusermann
*Theophil Butz, einst Starwerber (Ringier), heute Inspirator und ab jetzt auch noch Motzer in der Printausgabe der Werbewoche. «Nicht eine einfache, aber eine notwendige Rolle, die ich hier alle 14 Tage wahrnehme».
