Zu guter Letzt: Wenn der Sportreporter zweimal klingelt
In der Sonntagszeitung nimmt Peter Rothenbühler das Privatleben der neuen Blick-Chefredaktorin Andrea Bleicher in Schutz. Und zieht einen Sex-Vergleich, der etwas stutzig macht. Ein Hoch auf die SRF-Ski-Kommentatoren.
Für Vergleiche zwischen der Deutschschweiz und dem Welschland ist Peter Rothenbühler zuständig. Nicht selten mit dem Fazit: Die Westschweiz ist weltoffener, multikultureller, unkomplizierter. Dies auch im aktuellen Fall der neuen Blick-Chefredaktorin Andrea Bleicher. Während man sich diesseits des Röstigrabens noch darüber aufrege, dass die junge schöne Mutter ihre Kinder nur zwei Tage pro Woche sehe, sei man sich in der Westschweiz bereits gewohnt, dass junge, schöne – und sogar blonde (!) – Mütter in den Chefredaktionen der auflagestärksten Titel sässen. Allerdings würde deren Privatleben und Aussehen «nur in der Bar» diskutiert, so Rothenbühler in seiner wöchentlichen Kolumne. Um die Relevanz des Privatsphären-Schutzes zu zementieren, fügt der ehemalige Chef der Schweizer Illustrierte an: «Wir fragen uns ja auch nicht, mit welchen Skifahrerinnen unsere Sportreporter schlafen».
Nein, das tun wir wahrlich nicht. Kommt diese – scheinbar aus der Luft gegriffene – Andeutung allerdings aus der Feder eines Mannes, der jahrelang die Schlaf- und Wohnzimmer der Schweizer A- und B-Prominenz ausleuchten liess und sich bei jedem und allem auskennt, könnte man schon fast neugierig werden. Könnte man. Würde man beispielsweise beim Blick arbeiten. Denn dieser wird laut Sonntagszeitung (selbe Ausgabe, anderer Artikel) auch unter Bleicher Grosse-Bleys «Blut-Büsi-Busen-Kurs» weiterverfolgen – auch wenn bei ihr ein Wort wie «Titten» nie in eine Schlagzeile käme, wie sie beim Mittagessen betont.
Die beiden SRF-Damen-Ski-Kommentatoren Stefan Hofmänner und Michael Bont kamen bestimmt auf seriösem Weg zu ihrem fundierten Hintergrundwissen. Sie stellen seit Jahren eine der wenigen erfreulichen Ausnahmen in der SRF-Sportberichterstattung dar, auch wenn sie immer schon im Schatten des im Volk populären Herren-Duos Hüppi/Russi standen. Hofmänner ist sachlich, hat eine angenehme Stimme, formuliert pointiert und spricht nicht selten dem Zuschauer aus der Seele. Etwa, wenn die ORF-Regie statt des spannenden Abfahrtrennens lieber den Zielraum oder sich eintanzende Athletinnen zeigt – obwohl Fahrerinnen mit unerklärlich hohen Rückständen aus dem Intervall- und Übertragungsloch auftauchen («Sowas regt mich auf!»). Und hat man sich einmal an Bonts Dialekt gewöhnt, merkt man: Er hat unglaublich viel Ahnung vom modernen Skisport, kennt alle Hintergründe und versorgt die Zuschauer mit Informationen, die wirklich aufschlussreich sind. Er leidet und freut sich authentisch mit den Fahrerinnen. Wäre Berhard Russi nicht so populär und beliebt, müsste er sich für einen objektiven Experten-Vergleich sehr warm anziehen. Im Gegensatz zum endlosen Fussball-Ärgernis bietet das Schweizer Fernsehen hier Weltklasse.
Im Westschweizer Fernsehen ist die Ski-Berichterstattung bestimmt noch viel besser, unparteiischer und kosmopolitischer. Vielleicht kommentieren sogar bereits junge, attraktive Mütter, die ihre Kinder überhaupt nie zu sehen brauchen. Trendy!
Thomas Häusermann
