Zu guter Letzt: Weltgeschichte wird zur Kofferwerbung

Michail Gorbatschow, letztes Staatsoberhaupt der Sowjetunion, modelt für Louis Vuitton. Die Starfotografin Annie Leibovitz hat den 76-Jährigen mit einem Koffer der Luxusmarke vor einem Teilstück der Berliner Mauer abgelichtet. Ob Gorbi damit seinen teilweise mausarmen Landsleuten eine Lektion in Kapitalismus erteilen will?

Michail Gorbatschow, letztes Staatsoberhaupt der Sowjetunion, modelt für Louis Vuitton. Der französische Lifestyle-Konzern beauftragte die Starfotografin Annie Leibovitz, den 76-Jährigen mit einem Vuitton-Koffer vor einem Teilstück der Berliner Mauer abzulichten. Ein ziemlich symbolträchtiger Ort für den früheren Staats- und Parteichef: Gorbatschow trug massgeblich zum Mauerfall 1989 bei. «Gorbatschow gefiel die Idee, dass man sich an ihn als den grössten Akteur des Mauerfalls erinnert», sagte ein Pressesprecher von Louis Vuitton zu Werben & Verkaufen.
Ob das nun historisch wahr ist – ein paar andere Akteure waren doch auch am Fall der Mauer beteiligt – sei dahingestellt. Auf alle Fälle ist es verständlich, dass Gorbatschow werbend lieber an seine grossen Taten erinnert, als dass ein Auberginen-Ragout nach ihm benannt wird, so wie es dem jetzigen Russland-Präsidenten Wladimir Putin widerfahren ist (siehe
).
Dennoch kann man sich fragen: Welche Botschaft sendet Gorbatschow hier genau aus? Vielleicht will er seinen teilweise mausarmen Landesgenossen eine Lektion in anständigem Kapitalismus erteilen: Sehr her, das Ziel ist unseres Lebens ist nun nicht mehr, die Internationale fehlerfrei zu singen – wir streben nun vielmehr danach, uns eines Tages einen Luxuskoffer unter den Arm zu klemmen.

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