Zu guter Letzt: Warten auf Eveline

Eveline Widmer-Schlumpf hält die Medienlandschaft auf Trab: Zwar machte sie den Schreiberlingen der gedruckten Presse das Leben schwer. Dafür verleitete sie das Schweizer Fernsehen zu einem Zeugenaufruf und gab den 20minuten.ch-Redaktoren die Gelegenheit, mit einem korrekten Superlativ zu glänzen.

 Die Bundesratswahl vom Mittwoch ist nun in der Mediensprache offiziell ein «Krimi». Doch während bei «Tatort» und Co. stets klar ist, dass am Schluss die Ermittler triumphieren, blieb beim Casting für den siebten Sitz in der Landesregierung noch alles offen. Während der langen Reise der Eveline Widmer-Schlumpf von Chur nach Bern liess sich Reto Brennwald auf SF zu einem verzweifelten «Zeugenaufruf» hinreissen. Die Redaktoren von 20minuten.ch konnten derweil beweisen, dass sie auch in der Hitze des Gefechts den als Korrektorenfalle bekannten Superlativ «meistgesucht» korrekt hinkriegen. Nachdem die Blocher-Bezwingerin endlich, endlich in Bern ankam, verwandelte sie das Land mit der ausbedungenen Bedenkzeit in einen gigantischen Wartesaal – und machte den Schreiberlingen der gedruckten Presse das Leben schwer. Die Chefredaktoren der Tageszeitungen hatten am Mittwoch wahrlich keinen leichten Job. Was immer sie in ihren Blättern schreiben liessen, ist am Donnerstag kurz nach acht Uhr morgens Makulatur: Wenn die gewählte-aber-nicht-vereidigte Bundesrätin endlich ja oder nein sagt, ist auch der hintergründigste Kommentar im Blätterwald nicht das, was die Leser sehen wollen. Dafür wird nochmals die Stunde der Online-Medien und der Abendzeitung Heute schlagen. Letztere konnte die Bedenkzeit-Ansage gerade noch ins Blatt kriegen. Dem Ringier-Blatt ist zu gönnen, dass es am Donnerstag nochmals zuschlagen kann – wenn nicht plötzlich ein Chefschreiber der bezahlten Presse auf die Idee kommt, die alte Tradition des Extrablattes auszugraben.

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