Zu guter Letzt: Wahrlich nöd so min Style

Wenn Erwachsene versuchen, Jugendliche zu imitieren, endet das meistens in einem Anbiederungs-Debakel. Bühne frei für den fetten Jugendsession-Spot.

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) will mit einem Spot im Tageschschau-Stil auf die kommende Jugendsession aufmerksam machen und zeigen, dass dort – zwar mit einer anderen Wortwahl – ebenso wichtige Entscheidungen diskutiert und gefällt werden wie bei den Grossen. Die Ex-«Tagesschau»-Sprecherin Beatrice Müller moderiert die «News aus dem Bundeshaus» und verwendet und zeigt, wie die jungen Möchtegern-Politiker anscheinend sprechen:

//www.youtube.com/watch?v=DZpeMxjq1ws

«Yeah, huere geil», «zum Chotze», «geile Shit», «Nöd so min Style», «Voll fett», «Dini Mueter», «Hä, was lauft?» – auch wenn die Sprache wohl tatsächlich an der Realität kratzt – anbiedernd wirkt das Ganze in jedem Fall. Ein Wunder, kommen die Wörter «cool» und «krass» nicht vor. Lustigerweise sehen die gezeigten Nachwuchs-Parlamentarier ohnehin nicht aus, als würden sie einen Gesetzesentwurf mit den Worten «Dini Mueter» verwerfen.

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Sie wirken eher so, als würden sie die Jugendsession besuchen, damit sie im CV unter «weitere Tätigkeiten» eine weitere Tätigkeit aufführen und so einen weiteren Grundstein für eine tolle Karriere legen können. Nicht böse gemeint – aber unter Jugendslang stellt man sich etwas anderes vor.

Niemand weiss, wie die Basis der Jugend gerade spricht. Ein befreundeter Lehrer, der ebendiese «Dini Mueter»-Fraktion unterrichtet, erzählte kürzlich, bei seinen Schülern sei momentan der Ausdruck «Richi» in allen Variationen gross in Mode. Die Szene der SRF-Sendung «Auf und davon», in der Vater Schönbächler seinen Sohn Richi nach dem Baggersturz zusammenstaucht, geniesst in jüngeren Gefilden scheinbar einen zementierten Kultstatus. Oder genoss, wahrscheinlich ist heute schon wieder was anderes angesagt. Man erfährts meistens erst, wenns nicht mehr «voll fett» ist, sondern «zum Chotze». Mit der Sprache der Jugend kann man sich nur die Finger verbrennen, also Hände weg. Die Kampagne geht übrigens auf das Konto der Agentur Leo Burnett. Ihre letztjährige Jugendsession-Kampagne mit den geknebelten Politikern wurde mehrfach ausgezeichnet (zum Beispiel «Plakat des Jahres») (hae)

via 20min.ch
 

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