Zu guter Letzt: Venus aus der U-Bahn gekickt

Weil es zu aufreizend für die Pendlerströme sei, sorgt in London ein 500 Jahre altes Gemälde für Aufregung. Genauer gesagt: Ein Plakat des Gemäldes. Es zeigt die nackte Venus vom deutschen Maler Lucas Cranach dem Älteren, entstanden um das Jahr 1530.

Weil es zu aufreizend für die Pendlerströme sei, sorgt in London ein 500 Jahre altes Gemälde für Aufregung. Genauer gesagt: Ein Plakat des Gemäldes. Es zeigt die nackte Venus vom deutschen Maler Lucas Cranach dem Älteren, entstanden um das Jahr 1530. Die Londoner U-Bahn weigert sich, das Poster zu zeigen. Die zuständigen Verkehrsbetriebe befürchten nämlich, dass es die Reisenden verstören könnte. Das Corpus delicti stammt vom renommierten britischen Museum Royal Academy, welches das Originalbild in einer Sonderausstellung ab dem 8. März zeigen wird. Das Ansehen des Museums nützt aber nichts im Kampf gegen den Starrsinn der «Tube»: Das Plakat verstosse gegen die Regeln, «Männer, Frauen oder Kinder in sexueller Art und Weise darzustellen», teilten die U-Bahn-Betriebe mit. Das Museum solle die Werbung überdenken.
John Whittingdale, Vorsitzender des parlamentarischen Kulturausschusses, hält diesen Entscheid für «absolut meschugge», wie er am Mittwochabend sagte. «Es ist unmöglich, dass dieses klassische Gemälde ein Ärgernis darstellen könnte», findet er. Wenn auch dieser Widerstand gegen unsinnige Werbeverbote löblich ist: Insgeheim freut sich doch bestimmt so mancher, dass mit dem Entscheid der Verkehrsbetriebe das gute alte Klischee vom prüden Briten wieder mal aus der Mottenkiste schlüpfen durfte.
Bild: Royalacademy.org.uk

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