Zu guter Letzt: Ticket-Zirkus im Hause Ringier

DJ Bobo verkauft zu wenig Tickets. Zur Hilfe eilt – völlig überraschend – der Blick.

Dass Ticketcorner zur Hälfte Ringier gehört, ist kein Geheimnis. Dass die Blick-Redaktion diese familiäre Beziehung ab und zu pflegt, ebenfalls nicht. Etwa, als im März der Vorverkauf des Rolling Stones-Konzertes ausgeschlachtet wurde, als würde die Band in der Schweiz ein Comeback nach dreissigjähriger Bühne-Abstinenz feiern. Ein Schelm, wer Böses denkt. Die Medienwoche tat es ausführlich. Vielleicht waren die Bedenken gewisser Journalisten, die bei wirtschaftlichen Beziehungen zu Lara Gut (Infront Ringier), Ottmar Hitzfeld (Kolumnist) oder eben Ticketcorner (Anteile) die redaktionelle Unabhängigkeit in Gefahr sahen, doch nicht so unbegründet? Erinnern wir uns an ein Interview, das Ringier-CEO Marc Walder im November 2012 dem Bündner Tagblatt gegeben hat. Christian Buxhofer stellte folgende Frage:

«Wenn ein Konzert, das von Ihrer Firma Good News organisiert wird, schlecht läuft und Ticketcorner – auch eine Ringier-Tochter – zu wenig Tickets verkauft, muss dann die Zeitungsredaktion das Konzert pushen?»

Und Marc Walder antwortete:

«Dann kauft Good News im Blick Inserate ein, das ist ein kommerzieller Vorgang. Mit der Redaktion wird darüber nicht gesprochen. Und wenn Madonna ein mieses Konzert gibt, dann schreibt dies der Blick auch. Und zwar gross. Letztlich führt unser Engagement in neuen Gebieten vielleicht sogar zum Gegenteil.»

(Bündner Tagblatt, 16.11.12)

Das klang einleuchtend und transparent. Auch wenn der am Montag erschienene Artikel über den schleppenden Vorverkauf von DJ Bobos «Circus»-Tournee auf den ersten Blick den Eindruck macht, als sei Buxhofers Vorstellung der werbetrommelnden Ringier-Medien inzwischen Realität geworden:

blick-bobo

Wieder einmal ein Schelm, wer an Schleichwerbung denkt. Zumal Sätze wie «Und das, obwohl die Tickets im Verhältnis zu anderen Künstlern eher günstig sind. So kostet das günstigste 29.50 Franken.» nicht unbedingt den Verdacht einer unbefangenen Berichterstattung aufkommen lassen. Verglichen werden die Preise übrigens mit der Helene Fischer-Tour, die per Zufall auch ansteht – Tickets gibts bei Ticketcorner. Um das unauffällige Angebot abzurunden, wird am Schluss des Artikels direkt auf die Ticketcorner-Seite verlinkt – das wäre ja noch, wenn die Leserschaft sich den Weg zu den unbegehrten Tickets selbst suchen müsste.

Thomas Häusermann

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