Zu guter Letzt: Skandal um Andrew
Am Dienstag gab Andrew Langhoff, Chef des Wall Street Journals, seinen Rücktritt bekannt. Die britische Zeitung The Guardian hat nun den Grund dafür herausgefunden.
Das Wall Street Journal hat mit geheimen Deals während Jahren seine Leserzahlen manipuliert – laut The Guardian suchte die Zeitung im Januar 2008 den Kontakt mit europäischen Unternehmen, die Seminare für Studenten veranstalten. Während das Wall Street Journal den Namen der Firmen in seinem Blatt unterbrachte, kauften die Unternehmen Exemplare auf und verteilten diese gratis an Studenten. Wie auf Tagesanzeiger.ch lesen ist, war das Ausmass des Deals, der die europäische Ausgabe des Wall Street Journals betrifft, enorm: Der Auflagenbetrug soll für ganze 41 Prozent der täglichen Verkaufszahlen verantwortlich gewesen sein. Skandal! Und es wird noch skandalöser: Die Spitze von News Corp. in New York wusste von den geheimen Machenschaften der europäischen Ausgabe, hat aber nichts dagegen unternommen.
Ins Wanken geriet der Deal, als der grösste Sponsor, die holländische Firma Executive Learning Partnership ELP, vom Abkommen zurücktreten wollte – nicht, weil es plötzlich vom schlechten Gewissen befallen worden wäre, nein, ELP bemängelte, für die Investition von 31‘000 Euro nicht genug Aufmerksamkeit im Wall Street Journal zu erhalten. Um den Geldgeber nicht zu verlieren, versprach ELP drei exklusive Berichte. In einem davon wurde der ELP-Chef in übertriebenen Ausmass zitiert. Daraufhin begann der Widerstand innerhalb der Redaktion zu wachsen, weil man die journalistische Ethik missachtet sah. Dies brach dem Deal schliesslich das Genick.
Langhoff begründete in einem internen Schreiben seinen Rücktritt mit seiner Einwilligung, die Geschichten über ELP zu veröffentlichen – «weil mein Einverständnis den Eindruck hinterlassen könnte, dass Nachrichtenberichterstattung durch werberische Beziehungen beeinflussbar ist, denke ich, dass mein Rücktritt der beste Weg ist.». Richtig, Herr Lanhoff, dieser Eindruck könnte wahrlich entstehen – aber nur ein ganz klein wenig. Übrigens verlor weder er selbst noch der Verlag auch nur ein Wort über die Machenschaften, die hinter den Artikeln über ELP stehen und darüber, dass die Leitung von News Corp. in New York alles wusste.
