Zu guter Letzt: Sind Medien die neuen Zigaretten?
Die meisten Studenten rund um den Globus sind anscheinend süchtig nach Medien. Ein Entzug der Medien Handy, Facebook und MP3 führte zu einer Gefühlskatastrophe. Dies ergab eine Studie der Salzburg Academy on Media & Global Change von der Universität Maryland.
Um dies zu erforschen, verzichteten 1‘000 Studenten aus zehn Ländern während gerade mal 24 Stunden auf Handy, Laptop, Fernsehen und MP3-Player. Sie schrieben dabei ihre Erfahrungen nieder. Der Medienentzug führte bei Studenten zu einem Gefühlschaos, das mit den Adjektiven« verärgert, ängstlich, unsicher, durchgedreht, einsam, unfrei, nervös und deprimiert bis paranoid» beschrieben wurde, wie Pressetext der Studie entnimmt. Die Studienleiterin Susan D. Moeller berichtete, dass das überraschendste daran sei, dass trotz Unterschieden in Kulturen, Wirtschaftslage und politischen Systemen die Folgen des Medienentzugs überall dieselben sind. Durchgeführt wurde die Studie in den Ländern Argentinien, Chile, China, England, Hongkong, Libanon, Mexiko, der Slowakei, Uganda oder den USA. Die meisten Teilnehmer waren gelangweilt und hatten Probleme damit, leere Stunden anderwärtig zu füllen. Einige wenige berichteten von positiven Effekten der Online-Abstinenz, wie etwa bessere Selbstreflexion, höhere Qualität direkter Begegnungen bis hin zu Rückbesinnen auf einfache Vergnügungen.
Es scheint so, als wäre nun ein neues Zeitalter angebrochen: weg von der Stigmatisierung aller Raucher, hin zu der Bekämpfung der Neuen Medien – der neuen Sucht. In Deutschland, und im Web, hat sich auch schon ein Verein gebildet, um die Sucht zu bekämpfen. Er nennt sich «Aktiv gegen Mediensucht». Im Interview mit Pressetext beschreibt Christoph Hirte von diesem Verein das Problem folgendermassen: Der Missbrauch elektronischer Medien sei längst zum Flächenbrand und zur Volkskrankheit einer ganzen Generation geworden. Nicht nur raube er die Konzentration für alles Übrige und verschlechtere Schreib- und Redekompetenzen. Er lasse auch nachweislich bei jedem Dritten die Arbeitsleistung sinken. Die Gesellschaft verdränge das Problem, so Hirte. Dies aufgrund wirtschaftlicher Interessen. Obwohl doch jede Familie davon betroffen sei.
Armin Koeppe von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sieht den Sucht-Begriff bei Medien in erster Linie bei Onlinespiel-, Onlinesex- und Onlinewettsüchtigen angebracht, während bei der Alltagsnutzung Abhängigkeiten schwer zu beurteilen seien. Wie er gegenüber Pressetext sagt, seien immerhin selbst Studenten im Urlaub froh darüber, nicht immer erreichbar zu sein. Sinnvoll sei es jedoch allemal, regelmäßig die eigene Beziehung zu Medien durch bewussten Verzicht zu überprüfen, ähnlich wie bei Süßigkeiten in der Fastenzeit.
