Zu guter Letzt: Senioren vermissen Todesanzeigen
Dass Medien nicht nur trennen, sondern durchaus auch eine verbindende Rolle im Sozialleben spielen können, zeigt eine Episode aus der Zwinglistadt Zürich.
Dass Medien nicht nur trennen, sondern durchaus auch eine verbindende Rolle im Sozialleben spielen können, zeigt eine Episode aus der Zwinglistadt. Seit Ende letzten Novembers erscheint das Tagblatt der Stadt Zürich nur noch wöchentlich. Das führt einerseits zum einigermassen absurden Umstand, dass eine Wochenpublikation den Namen «Tagblatt» trägt. Andererseits regte sich Widerstand beim Stadtrat, da das Blatt eine amtliche Publikation ist. Nun meldet sich eine weitere Akteurgruppe zu Worte: Die Zürcher Seniorengruppe der Gewerkschaft Unia hat an ihrer Jahresversammlung eine Resolution zu Handen des Stadtrates und der Tagblatt-Mehrheitsbesitzerin Tamedia verabschiedet. Darin wird laut NZZ bemängelt, dass nun Informationen wie Todesanzeigen und Bestattungsdaten nicht mehr täglich veröffentlicht werden. Das könne zur Konsequenz haben, dass man guten Bekannten die letzte Ehre nicht mehr erweisen könne, da man den Termin zu spät erfahre. Die Resolution bestätigt also die verlegerische Binsenwahrheit, dass Todesanzeigen ein wichtiger Indikator für die Verankerung eines lokalen Titels ist. Und macht deutlich, dass sich jene Bürger am meisten für eine Sache einsetzen, die am stärksten betroffen sind: Flugplatzanstösser für Ruhezeiten, Nichtraucher für Rauchverbote – und Senioren für Todesanzeigen.
