Zu guter Letzt: PR-Berater polierte Image auf

Die Wahlen um das Bürgermeisteramt in London sind gelaufen. Sieger ist der konservative Herausforderer Boris Johnson, und «Red» Ken Livingstone von der Labour-Partei muss abtreten. Eines war die Wahl auf jeden Fall: grosses Theater.

 
Die Wahlen um das Bürgermeisteramt in London sind gelaufen. Sieger ist der konservative Herausforderer Boris Johnson, und «Red» Ken Livingstone von der Labour-Partei muss abtreten. Überraschend ist das Resultat nicht, wie eigentlich vielleicht gar nichts im Zusammenhang mit diesem eher dekorativen Amt, das nach acht Jahren Existenz keinen anderen Zweck zu haben scheint als die Erheiterung der Bevölkerung von Greater London. Denn an die Stelle eines in letzter Zeit immer öfter verbal ausfällig gewordenen Livingstone tritt nun mit Johnson ein mindestens ebenso burlesker Politclown. Und obwohl das, siehe Livingstone, geradezu die Vorbedingung für eine erfolgreiche Wahl zu sein scheint, hat Tory-Parteichef Cameron Johnson einen PR-Berater verschrieben, weil ihm dessen Image dann doch etwas zu ramponiert erschien. Der PR-Berater Lynton Crosby, der bereits dem konservativen australischen Politiker John Howard zu mehreren Wahlsiegen verholfen hatte, hatte dann auch alle Hände voll zu tun mit dem Mann mit den ausserehelichen Verhältnissen und den etwas veralteten Völkerkenntnissen (er brachte Neu Guinea mit Kannibalismus und Häuptlingstötung in Verbindung). Er musste aus ihm, der auf leicht aristokratische Weise nie pünktlich war, zielsicher in jedes politisch unkorrekte Fettnäpfchen trat und manchmal fast trottelig abwesend wirkte, einen ruhigen und seriösen Staatsmann machen. Dies nebst einer Schmutzkampagne gegen Livingstone, versteht sich.
Gewählt wurde Johnson nun jedenfalls. Ob jetzt wegen oder trotz des Imageberaters, lässt sich nicht sagen. Vielleicht hat ihn London auch nur deshalb gewählt, weil er seinen bisherigen Darbietungen auch noch diesen lächerlichen Versuch einer in seinem Fall völlig aussichtslosen Imageaufbesserung hinzugefügt hatte. Die Stadt Shakespeares weiss gutes Theater eben nach wie vor zu schätzen.

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