Zu guter Letzt: Heimatlicher Sex von der Fernsehkanzel

Ganz nach dem selbstbewussten Slogan «U1 TV wir sind die Schweiz» wird beim Sender aus Schlieren nun auch das Programm gemacht: Ein ganzheitliches, für des Schweizers Herz, Seele und Körper.

Ganz nach dem selbstbewussten Slogan «U1 TV wir sind die Schweiz» wird beim Sender aus Schlieren nun auch das Programm gemacht: Ein ganzheitliches, für des Schweizers Herz, Seele und Körper. Also zuerst fest aufs Pferdchen Volksmusik gesetzt, um den Menschen in nebeltrüben November-Zeiten ein Stück Heimatgefühl zu geben. Seit dem 8. November gibt’s täglich ein Stück Volksmusik am Vorabend – Kasselruther-Spatzen-Special inklusive.  
Das erfreut des Schweizers Herz, aber nicht seine Seele. Für die kam dann aber flugs die frohe Botschaft, U1 TV bringe die Kirche direkt in die Schweizer Stuben. Im Sendeformat Arche TV müht sich künftig der deutsche TV-Prediger Wolfgang Wegert auch um die Schweizer Seelen mit Predigten von der Fernsehkanzel. Gemäss Mitteilung will der Gottesdienst aus dem Fernseher stärken, reinigen und verändern durch das Verkünden und das Wirken des Heiligen Geistes.
 
Damit wären nun zwar Herz und Seele bedient, ein ganzheitliches Programm denkt aber auch an den verruchten Körper und niedere Sinnenlust. Und, jawohl!, ein paar Tage später kam denn auch die Meldung, dass U1 TV den ersten Erotiktalk der Schweiz starten werde. Und hat gleich einen der ganz bösen Jungs zum Ausgleich für den Fernsehpfarrer in die Moderation geholt: Den ehemaligen Banker und Devisenmakler und heutigem Pornodarsteller J.-P. Love.
 
Vor so vielen tollen Programmeinfällen muss denn auch das eigene Reportagemagazin «Dossier 24» auf die Knie. Oder jedenfalls «weit unter die Gürtellinie» gehen, wie U1 TV mitteilt. Denn am 14. November erforscht es das prominente Leben neuen Moderators, der mit «Porno Heidi» seinen Höhepunkt hatte. Ob allerdings U1 TV mit seinem neuen ganzheitlichen Programm auch Höhepunkte haben wird, muss sich erst zeigen. Selbstbewusste Slogans sind zwar toll, helfen aber nix, wenn man ganzheitlich am (guten) Geschmack des Publikums vorbeisendet.

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