Zu guter Letzt: Falschspieler in der Blogosphäre

Allenthalben werden Weblogs als ein unerlässliches Instrument für die Aussendarstellung eines Unternehmens gelobt. Ein regelmässiges Online-Tagebuch erzeuge Bindungen an die Firma und sorge für ein hohes Mass an Transparenz. Der Volkswagen-Konzern hat letzt Woche das Gegenteil bewiesen.

Allenthalben werden Weblogs als ein unerlässliches Instrument für die Aussendarstellung eines Unternehmens gelobt. Ein regelmässiges Online-Tagebuch erzeuge Bindungen an die Firma und sorge für ein hohes Mass an Transparenz. Der Volkswagen-Konzern hat letzt Woche das Gegenteil bewiesen.  
Fast vier Wochen lang wurde verschwiegen, dass sie den Komiker Hape Kerkeling dafür bezahlen, dass er als Horst Schlämmer ein Weblog für VW füllt – und damit grosse Erfolge erzielt. Kerkelings Kunstfigur avancierte mit seinem «Ich mach jetzt Führerschein» innert Kürze zum Renner. Der von Kerkeling gespielte stellvertretende Chefredaktor eines Provinzblatts veröffentlicht in regelmässigen Abständen kleine Filme, in denen er beispielsweise einen Wagen kaufen will oder gemeinsam mit dem Fahrlehrer zum ersten Mal im Fahrschulwagen sitzt. Auffällig oft lobt Schlämmer dabei genau dieses Auto – einen VW Golf.
 
Der Blog wäre wohl kaum so kultig geworden, wäre von Anfang an klar gewesen, dass es Werbung ist. Die Verantwortlichen von Volkswagen scheinen das zu wissen. Auf eine Anfrage der Süddeutschen Zeitung reagierten sie zunächst zögerlich und verschoben die Antwort mit Verweis auf Fachabteilungen. Dann lobte sich der Konzern für diese «virale Idee» ausführlich selbst: «Volkswagen hat erstmals eine solche innovative Marketingkampagne inszeniert und mit Horst Schlämmer als einem der beliebtesten und bekanntesten Comedians Deutschlands bisher bestens umgesetzt.» Ob diese Rechnung auch weiterhin aufgeht, ist unklar. Wenn erkennbar ist, dass es sich nur eine lustige Anzeige handelt, werden die Leser im Internet vermutlich entsprechend reagieren.

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