Zu guter Letzt: Die Hoffnung stirbt zuletzt
Seit 2006 war die Schweiz erstmals wieder im Finale des Eurovision Song Contests. Dementsprechend hoffnungsvoll bis euphorisch waren die Medienberichte bis zum Anlass am Samstag. In der Sonntagspresse war dann – je nach Redaktionsschluss – alles zu lesen...
«Die ganze Schweiz im Anna-Hoch», meinte die Sonntagszeitung. Dass sich das Anna-Hoch leider nicht über die Landesgrenzen erstrecken würde, wusste das Blatt bis Redaktionsschluss halt noch nicht. Dafür gibt es einen blumigen Bericht zum Anlass. Was gemäss Sonntagszeitung klar wurde: «das Schlagerfestival lebt». Zurückhaltender der Sonntag. Anna habe erneut einen starken Auftritt hingelegt.
Ganz anders beim Sonntagsblick und der NZZ am Sonntag, die bereits über die Info verfügten, dass Anna mit nur 19 Punkten auf dem letzten Platz landete. «Die haben doch alle null Ahnung!», titelte der Sonntagsblick. Ungerecht! Anna habe unglaublich viel Charme versprüht. Dennoch habe Europa die Schweiz im Stich gelassen.
Der NZZ-Artikel ist weniger emotional, fällt aber ernüchternd aus. Das Niveau des Song Contests entwickle sich parallel zum Euro-Kurs. Die meisten Songs seien «ein Graus». Und viele der Sänger träfen die Töne nicht. Dass die Karten für die Veranstaltung im Nu ausverkauft waren, beweise, dass es «Menschen gibt, die auch ohne Schmerzempfinden überleben.» Danke für den aufschlussreichen Bericht. Dass beim Wettbewerb Qualität offenbar nicht das entscheidende Kriterium ist, tröstet auch über die grottenschlechte Bilanz der Schweiz in den letzten 15 Jahren hinweg.
