Zu guter Letzt: Die dreifache Wiederauferstehung des Seite-1-Girls
Bild hat nach 28 Jahren das Seite-1-Girl abgeschafft. Dies berichtet die Zeitung am Freitag. Am Montag titelt das Blatt dann: «Seite-1-Girls von Bild erregen (fast) die ganze Welt.» Und tatsächlich: Die Welt scheint sich für diese News zu interessieren.
Unter dem Stichwort «Zapfenstreich» wurde am Freitag in grosser Aufmachung das letzte Titelblatt-Aktmodell präsentiert. Und die Welt scheint diese News wirklich zu interessieren: Am Wochenende hätten 20 Länder über das Verschwinden der nackten Tatsachen von der Bild-Titelseite berichtet, schreibt das Boulevardblatt am Montag. In England beispielsweise stellt der TV-Sender BBC begeistert fest: «Es gibt eine echte Debatte in Deutschland über die Rolle der Frau.» Und der Guardian wünscht sich diesen Sinneswandel auch für die britischen Zeitungen. In den USA zitieren USA Today und The Seattle Times die bayerische Justizministerin: «Good decision». In Indien veröffentlicht gar der Hindupriester Rajan Zed eine Pressemitteilung zum Bild-Girl. Darin bezeichnet er die Abschaffung als «Schritt in die richtige Richtung». Und auch auf den Fidji-Inseln kann man die Begeisterung kaum zurückhalten; The Jet schreibt: «Hindus begrüßen das Ende der Seite-1-Nackten in Bild». Und in Holland titelt De Telegraaf: «Duitse Bild schrapt oben ohne» – was soviel heisst wie «Deutsche Bild löscht ‚oben ohne‘».
Was die Medien in aller Welt scheinbar in ihrer Euphorie überlesen haben: Es soll in der Bild-Zeitung auch weiterhin nackte Tatsachen geben – halt eben einfach «moderner, besser verpackt im Inneren des Blattes». Wo genau in der Zeitung die Girls künftig ihren Platz haben werden, ist noch offen. «Wir von Bild sind selbst noch nicht sicher, wo das Bild-Girl seinen Platz haben wird. Deshalb finden Sie, liebe Leser, Bianca heute gleich dreimal im Blatt wieder.» Dreimal! Ob das dem Hindupriester und dem Rest der Welt gefällt, ist äusserst fraglich. Bleibt zu hoffen, dass zumindest dem Priester die bittere Wahrheit verborgen bleibt – damit er in Frieden mit sich selbst und vor allem mit Deutschland weiterleben kann.
(Foto: Bild.de)
