Zu guter Letzt: Die «Bööggen-Affäre» als journalistisches Lehrstück

Die «Popel-Affäre», oder auf Schweizerdeutsch: die «Bööggen-Affäre», ist in vieler Hinsicht eine schöne Geschichte. Sie erzählt von publizistischer und verlegerischer Courage und hat sogar ein glückliches Ende.

Die «Popel-Affäre», oder auf Schweizerdeutsch: die «Bööggen-Affäre», ist in vieler Hinsicht eine schöne Geschichte. Die Möglichst-Kurzfassung: Im Media-Markt Wolfsburg (Niedersachsen) streicht ein Mitarbeiter seine Bööggen regelmässig an die Tür des Herren-WCs. Die Geschäftsleitung ist nicht amüsiert und richtet ein Schreiben an alle männlichen Mitarbeiter, in dem sie dem anonymen «Dreckschwein» (O-Ton) mit fristloser Entlassung droht. Ebenfalls kündigt sie einen versteckten DNA-Test an, um den Bööggenschmierer zu überführen.
Das Schreiben gelangt an die Braunschweiger Zeitung, die die Geschichte veröffentlicht, allerdings ohne die Firma Media Markt mit Namen zu nennen. Sie weist darauf hin, dass sich die Geschäftsleitung im Fall eines DNA-Tests, dem die Mitarbeiter nicht zustimmen, selbst strafbar machen würde. Bereits während der Recherche aber droht Media Markt, keine Werbung mehr in dem Regionalblatt zu schalten, wenn die Geschichte publiziert wird. Der Chefredaktor lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken, und die Verlagsleitung stärkt ihm dem Rücken. Der Artikel erscheint.
Die Haltung der Braunschweiger Zeitung wurde von Meedia-Chef Georg Altrogge als journalistisches Lehrstück bezeichnet – was es auch ist, umso mehr, als das Festhalten an der redaktionellen Unabhängigkeit die Zeitung um geschätzte 450’000 Franken Werbeeinnahmen hätte bringen können. Aber wahrscheinlich haben Redaktion und Verlag erkannt, dass ein Nachgeben weiteren Einflussversuchen auf die redaktionelle Berichterstattung Tür und Tor geöffnet hätte. Solch’ Einsicht und Durchhaltevermögen nahm für einmal ein glückliches Ende: Die Zeitung und Media Markt sind jetzt wieder in Verhandlung über Anzeigen.

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