Zu guter Letzt: Der WM-Song

Eigentlich wollte Brasilien das Sex-Image im WM-Jahr loswerden. Der Rest der Welt tut sich schwer damit. Neustes Beispiel: Ein Musikvideo, in dem nur Brüste zu sehen sind.

Im Februar hat Adidas auf Wunsch der brasilianischen Tourismusbehörde T-Shirts mit zweideutigen Motiven aus dem Verkehr gezogen. Das Herz bei «I love Brazil» trug einen String-Tanga und der Spruch «Lookin' to score» – platziert neben einer knapp bekleideten Frau – liess sich etwas zu offensichtlich in die Horizontale uminterpretieren.

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Im Kampf gegen Sextourismus war Brasilien bemüht, vom Tanga- und Samba-Image wegzukommen. Kein leichtes Unterfangen: Wird irgendwo vorfreudig über die kommende WM berichtet, werden erst einmal leichtbekleidete Frauenhintern in Grossaufnahme gezeigt. So stellt man(n) sich Brasilien vor: Schöne Frauen, die entweder Samba tanzen oder aber ihre braungebrannten Hinterteile an der Copacabana spazieren führen. So wurde denn im März im Rahmen des Vorbeitungsspiels gegen Kroatien auch das SRF-WM-Jahr mit grossformatigen Frauenhintern – immerhin in relativ züchtiger Badehose – eingeläutet. Wie es sich gehört.

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Screenshot SRF zwei

Abseits der TV-Berichterstattung schlägt die Stunde der körperbetonten WM-Songs. So steuert in Deutschland beispielsweise Melanie Müller, ihrerseits amtierende Dschungelkönigin und Ex-Pornodarstellerin, mit einem dümmlichen Lied und einem noch dümmlicheren Video in aller Ruhe die 2,5 Millionen Marke auf Youtube an.

//www.youtube.com/watch?v=xnTd32wJ6yk

Luft nach unten besteht immer. «Erotik-Sternchen» Aische Pervers – was für ein Name! – generierte mit ihrem selbstgetexteten Gassenhauer «Aische's WM Song (Deutschalalalaland)» in wenigen Tagen über 70'000 Klicks – samt Idioten-Apostroph und selbstgedrehtem Qualitätsvideo.

//www.youtube.com/watch?v=VhRYRFUm32Q

Deutschland legt also vor. Die Schweiz kann punkto «Sex sells» garantiert nicht mithalten. Marc Sway soll laut SRF3 zwar einen WM-Song produziert haben. Ein Video mit Brüsten und Hintern – ja, überhaupt ein Video – sucht man allerdings vergeblich. Richten muss es der fussballerische Erzeifend des grossen Kantons: Holland. Die Niederlande schickten anfangs Woche die 90er-Jahre Eurodance-Formation Vengaboys ins Rennen. Die Band hatte einst mit Hits wie «Boom Boom Boom Boom!!!», «Up & down» oder «We're going to Ibiza» die europäischen Charts in fester Hand. Jetzt haben sie mit «2 Brazil!» einen potentiellen WM-Hit ausgegraben (der Song wurde in einer früheren Version bereits 1998 aus dem damaligen Album ausgekoppelt). Das neu produzierte, äusserst geistreiche Video dürfte zumindest für die nötige Promotion sorgen. Wie auch immer. Hopp Schwiiz!

//vimeo.com/96111443

via

Thomas Häusermann

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