Zu guter Letzt: Curtis Jackson und der schwarze Peter
Popstars sind nicht eben für Bescheidenheit bekannt. Die HipHop-Stars unter den Popstars schon gar nicht.
Popstars sind nicht eben für Bescheidenheit bekannt. Die HipHop-Stars unter den Popstars schon gar nicht. Und unter diesen ist Curtis Jackson Jr. wahrscheinlich am Allerwenigsten mit dem Begriff Bescheidenheit in Verbindung zu verbringen. Schliesslich war das Grosskotzige, das Allmächtige jahrelang teil seines Erfolgsrezepts: Mit grossen Tönen und Gesten beherrschte der Mann, der am 24. Mai 2000 von neun Kugeln durchlöchert worden war und wie durch ein Wunder überlebte, die Hitparaden. Seit er vor vier Jahren unterstützt von Hitproduzent Dr. Dre den Durchbruch schaffte, wurde er von geradezu märchenhaftem Erfolg verwöhnt. Dutzende Millionen verkaufter Tonträger, ausverkaufte Konzerttourneen und ein fast einsamer Platz an der Spitze der HipHop-Künstler begleiteten seinen einzigartigen Höhenflug. Doch diese Zeiten sind vorbei: Ein weitaus vielseitigerer Künstler namens Kanye West hat den Gangsta Rapper überflügelt, die unverwundbare Kunstfigur hat viel von ihrem Reiz eingebüsst und die Computerkenntnisse seiner jungen Fans haben die Verkäufe zum Stocken gebracht. Dass das einen 50 Cent trotz lukrativer Werbeverträge und einem Vermögen, das seine Familie über Generationen ernähren wird, nicht kalt lässt, demonstrierte er letzte Woche vor seinem Konzert im Zürcher Hallenstadion. Statt wie früher stets auf die Minute pünktlich, erschien er erst mit fast zweistündiger Verspätung zum Interview, und stänkerte dann: «Wieso rede ich überhaupt noch mit euch Medienleuten? Ich verkaufe deswegen keine einzige CD mehr. Lasst euch besser etwas zur Bekämpfung der Internetpiraterie einfallen. Sonst verlange ich demnächst für jedes Interview Geld!» – Der Frust sitzt tief.
