Zu guter Letzt: Contexta verwirrt die Schweiz
Contexta zeigte letzte Woche im Auftrag von Swisslos das Leben der Stars. Die erste Folge von «Swiss Cribs» mit Stress löste bei vielen Menschen Verwirrung aus. Werbewoche.ch klärt auf.
Vor wenigen Tagen veröffentlichte Werbewoche.ch die neue Kampagne von Contexta. Aussage: Nicht mal als Star wird man in der Schweiz reich – es sei denn, man spielt Euromillions. Eine Persiflage auf die Sendung «MTV-Cribs», in der amerikanische Superstars die normalsterbliche Zuschauerschaft durch die Gemächer ihrer Millionenvillen führen, den Fuhrpark präsentieren und die Anzahl Bäder aufzählen.
Den Auftakt der Kampagne machte Stress. Kein internationaler Superstar, aber einer der erfolgreichsten Schweizer Musiker der Gegenwart. 250'000 verkaufte Tonträger, gefüllte Konzerthallen. Wie es um die finanzielle Situation des Besitzer eines Kleiderlabels ungefähr stehen dürfte, verriet Blick-Online zufällig am 16. September: «Stress kauft die «Strelanie»-Luxus-Villa». Der Musiker sei jetzt alleiniger Besitzer des auf 2,5 Millionen Franken geschätzten Anwesens. Dabei berief man sich auf eine von Der Sonntag recherchierte Story vom Vortag – die Zeitung soll sich auf dem Grundbuchamt Riesbach ZH schlau gemacht haben. Blick veröffentlichte sogar eine Aussenaufnahme des Hauses, inklusive Fuhrpark von Sponsor Mini. Am nächsten Tag verschwand das Foto auf wundersame Weise («Aktualisiert: 17.09.2012»).
Ebenfalls am 17. September lancierte Contexta die Kampagne, welche Stress als Bewohner eines heruntergekommenen Hauses mit verwildertem Garten zeigt. Die Inneneinrichtung erinnert an eine Studenten-WG; das Badezimmer an eine Bauruine, in welcher sich Obdachlose eingenistet haben. Der Fuhrpark diesmal: Ein Töffli.
Der Gedanke, es handle sich bei der vermeintlichen Wohn- und Lebenssituation des Musikers um einen frei erfundenen Werbe-Gag lag also auf der Hand. Könnte man meinen. Am selben Tag veröffentlichte 20 Minuten Online das Video und wies dezent auf den Hintergrund hin («Ein Scherz? Ja!»). Dennoch schien ein beachtlicher Teil der kommentierenden Leserschaft den Witz nicht zu verstehen. «Und diese kaputte Hütte soll 2 Millionen Franken wert sein?» fragte sich ein Leser; «Ich habe Mühe mit Leuten (…) die ihre Privatsphäre preisgeben, um wieder mal in den Medien zu kommen» verurteile ein anderer den Auftritt. Aber auch Verständnis schlug Stress entgegen: «Lasst ihn in Ruhe, er sich sein Reich selbst aufgebaut.» Und selbst gesellschaftskritische Schlüsse wurden aus dem Film gezogen: «Das zeugt doch von wahrer Grösse (…). Auf den Mensch kommt es an, nicht auf das Besitztum!!»
Und was meint Contexta dazu? Der Agentur hat die Diskussion und die mediale Aufmerksamkeit natürlich gemundet. Rund 36'000 mal wurde der Film bis zum heutigen Tag auf Youtube angeschaut. Creative Director Moritz Staehelin erklärt gegenüber Werbewoche.ch: «Genau das wollten wir erreichen. Die Zuschauer sollen sich fragen: Ist das nun die «Villa Strelanie» oder ist alles fake?» Die Blick-Geschichte habe man nicht als störend empfunden – sondern als Steilpass, die eigene Kampagne zu lancieren. Man habe bewusst eine Diskussion anstossen wollen, wie viel Wahrheitsgehalt tatsächlich in der Geschichte stecke. Hausaufgabe erfüllt! Denn auch wenn offensichtlich war, dass das Drumherum, die Einrichtung (zum Beispiel das Hobby-Studio auf Primarschüler-Niveau) und die unzähligen gestellten Details frei erfunden waren – ganz sicher konnte sich auch der medienkompetente Zuschauer nicht sein, dass es sich beim gezeigten Haus nicht um eine Freizeit-WG des ewig jungen Rappers handelt.
Aber um alle Zweifel aus der Welt zu räumen bestätigt Staehelin gegenüber Werbewoche.ch: «Tatsächlich ist es nicht das Haus von Stress.» Zumindest bei dem Teil der Leserschaft, der die echte «Strelanie-Villa» auf Blick.ch gesehen hat, dürfte sich die Verwunderung in überschaubaren Grenzen halten. (hae)

