Zu guter Letzt: Blick durch die Trottelbrille
Alle Jahre wieder vermeldet die Schaffhauser Polizei denselben Ermittlungserfolg. Aufgefallen ist dies Radio Top. Dem Rest nicht.
Die Rede ist von einem Raubüberfall, der sich im März 2011 in Schaffhausen ereignet hatte. Vier bewaffnete Männer hatten Schmuck und Uhren im Wert von mehreren Millionen Franken aus einer Bijouterie erbeutet. Im März 2012 informierte Philipp Maier, der Chef der Schaffhauser Kriminalpolizei, dass zwei der Täter identifiziert wurden. Einer sitze in einem anderen Kanton in Untersuchungs-, der andere im Ausland in Auslieferungshaft. Die Meldung wurde beispielsweise auf Nzz.ch veröffentlicht.
Heute Dienstag, knapp ein Jahr nach dieser Erfolgsmeldung, verschickte die Schaffhauser Polizei erneut die Mitteilung, man habe zwei Täter ermitteln können. Gegenüber Radio Top räumte man später ein, dass es sich dabei um die gleiche Aufklärung wie vor einem Jahr handle. Sinn und Zweck des Meldung-Recyclings ist unbekannt. Internes Versehen? Fishing for Compliments? Oder gar ermittlungstaktische Gründe (dann danke Radio Top!)? Oder wollte man ganz einfach die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf die Flüchtigen lenken und erinnerte dabei an die bisherigen Erfolge?
Wie auch immer, die Medien nahmen die Mitteilung dankbar auf und Blick.ch durfte endlich wieder über den «Räuber mit der Trottelbrille» berichten. Dieses Mitglied der Bande ist nämlich nach wie vor auf der Flucht («Räuber mit der Trottelbrille flüchtig»). Wahrscheinlich hat er die Trottelbrille mittlerweile abgelegt und ist dadurch nur noch schwer wiederzuerkennen. Auch wenn die Meldung alt ist – eine wirkliche Neuerung hatte Blick.ch 2013 dennoch zu bieten: Aus «Trottel-Brille» («Wer ist dieser Gangster mit der Trottel-Brille?») wurde «Trottelbrille». Vielleicht ändert sich die Schreibweise nächstes Jahr wieder, wenn die Schaffhauser Polizei den Fahndungserfolg '12 erneut vermeldet.

Bei aller Verwirrung um die Trottelbrille: Auf Twitter konnte man heute lernen, dass die Trottelbrillen-Lehre eher ungenau und ziemlich subjektiv ist. Es liegt alles im Auge des Betrachters.
Thomas Häusermann

