Zu guter Letzt: Beichten im 21. Jahrhundert

Sich neben den Pfarrer ins Beichthäuschen setzen und auf Vergebung hoffen war gestern. Der moderne Katholike braucht dafür nicht mehr in die Kirche zu pilgern, sondern legt die Beichte bequem von zu Hause aus ab – das Internet machts möglich.

Sich neben den Pfarrer ins Beichthäuschen setzen und auf Vergebung hoffen war gestern. Der moderne Katholike braucht dafür nicht mehr in die Kirche zu pilgern, sondern legt die Beichte bequem von zu Hause aus ab – das Internet machts möglich. Auf Beichthaus.com, dem virtuellen Beichtstuhl, kann sich jeder seine Sorgen von der Seele reden beziehungsweise schreiben. Gleichzeitig kann man seine eigenen Sünden aber auch mit denjenigen von anderen vergleichen.
Da die Beichten völlig anonym abgelegt werden können, scheint die Hemmschwelle nicht besonders hoch zu liegen. So bleibt der neugierige Nutzer von intimen Details der Phantasien und Übeltaten seiner Mitsünder nicht verschont. Zu Lesen ist beispielsweise: «Ich hasse meinen Ex-Freund so sehr, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann. Seit gestern habe ich die Testergebnisse vom Routine-Abstrich beim Frauenarzt. Ich habe mir Chlamydien von meinen fremd gegangenen Ex eingefangen».
Sogar für Hobbypsychologen ist eine Kategorie dabei: «Helfen & Kommentieren». Sind Hopfen und Malz verloren, findet der Sünder bei den Google-Anzeigen weiter unten verschiedene Anregungen: Klickt man auf den Link «Fremdgehen», gelangt man zu diversen Anzeigen, die einem unter anderem Frauen aus der Ukraine oder schöne Thailänderinnen versprechen.

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