Galaxus als Komplize: Wie «Mordsfreundin» den Alltag verdächtig macht

Für «Mordsfreundin» am Bernhard Theater hat Farner eine Kampagne gebaut, die wie das Stück selbst funktioniert: freundlich im Vordergrund – und im Kopf beginnt es zu kippen. Executive Creative Director Fabian Bertschinger erklärt, warum ausgerechnet Galaxus dabei zur idealen Mitspielerin wird.

Völlig unverdächtig am Goldbrunnenplatz: Hammer und Lächeln…

Im Stück reicht ein Moment Schweizer Höflichkeit, und schon sitzt das Unbehagen mit am Tisch. Genau diese Mechanik – das leise Abrutschen vom Harmlosen ins Unheimliche – nimmt die Kampagne auf. Nicht als Inhaltsangabe, sondern als Gefühl.

Fabian Bertschinger spricht von Misstrauen, Projektionen und dem Augenblick, in dem Vertrautes plötzlich einen Schatten bekommt. Diese Perspektive ist entscheidend: «Mordsfreundin» wird nicht verkauft wie ein Plot, sondern wie eine Paranoia, die sich an Dingen festbeisst, die man jeden Tag in der Hand hat.

Fabian Bertschinger (Bild: Nathan Beck)

«Ausgangspunkt war die psychologische Ebene des Stücks. Es geht nicht um Gewalt, sondern um Misstrauen, Projektionen und den Moment, in dem Vertrautes plötzlich kippt. Mit «Wenn Blicke töten» spielen wir genau mit dieser Paranoia: In der Nähe von Elsa kann plötzlich jeder Haushaltsgegenstand zur potenziellen Mordwaffe werden. Die Kampagne deutet an statt zu erklären und traut dem Publikum zu, diese Bedrohung selbst weiterzudenken.» – Fabian Bertschinger

Galaxus als Komplize

Die stärkste Drehung passiert dort, wo man sie am wenigsten erwartet: bei einer Kooperation, die nicht «Partnerlogo» ruft, sondern Story.

Galaxus bringt Alltagsprodukte mit – vertraut, banal, fast schon unsichtbar. Und genau das macht sie in diesem Kontext so wirksam. Wenn neben dem Theaterplakat ein Produktplakat hängt, kippt die Bedeutung ohne einen einzigen erklärenden Satz: Der Gegenstand bleibt derselbe, aber er fühlt sich plötzlich an wie ein Beweisstück.

Komplizenschaft: Föhn von Galaxus, Mordsfreundin aus dem Bernhardtheater

Bertschinger beschreibt diesen Effekt sinngemäss als neue Bedeutungsebene durch Nachbarschaft: Der Gegenstand wird nicht umdeklariert – er wird verdächtig gedacht. Und damit wird Galaxus zum Komplizen einer Hammeridee, nicht bloss zum Sponsor eines Absenders.

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«Galaxus steht für Alltagsprodukte und hat das Potenzial der Idee sofort erkannt. Die Produkte und der Brand passen perfekt zur Kampagne. Galaxus Produkte sind vertraut, fast banal, und genau das macht sie im Kontext plötzlich verdächtig. Durch die direkte Nachbarschaft von Produkt- und Theaterplakat entsteht eine neue Bedeutungsebene, ganz ohne zusätzliche Erklärung.» – Fabian Bertschinger

Stadt als Tatort

Diese Logik zieht sich durch die ganze Inszenierung: Die Kampagne will das Theater aus dem Saal herausziehen – hinein in die Strasse, in den Blickwinkel, in den Sekundenbruchteil zwischen «ah, ein Plakat» und «moment mal…».

Doppelseitige Sujets arbeiten mit der gleichen Höflichkeits-Falle wie das Stück: vorne freundlich, hinten die Klinge.

Komplizenschaft und eine Botschaft, die mit hinten und vorne funktioniert

Digitale Screens setzen kurze Irritationen: ein harmloser Moment – und für einen Augenblick blitzt etwas Falsches auf.

Und zur Premiere wird der Ort selbst zur Bühne: Das Theater spielt Theater vor dem Theater.

Alles bleibt in derselben Tonalität: nicht erklären, sondern anstupsen. Nicht schreien, sondern flüstern – und gerade deshalb hängenbleiben, wie es sich für ein Plakat gehört…

Warum das mehr ist als ein netter Case

Man kann das als hübsche Kampagne für eine «viel zu nette Krimi-Komödie» lesen. Man kann es aber auch als Demonstration sehen, was entsteht, wenn Theater, Agentur und ein grosser Brand nicht einfach Reichweite addieren, sondern Bedeutung erzeugen. Und ja: Während Zürich über Aussenwerbung diskutiert, wirkt so eine Kampagne fast wie ein Gegenbeweis aus der Praxis – nicht als politisches Statement, sondern als Erinnerung, dass Plakat ein urbanes Erzählmedium ist.

Das Schlussbild: eine spitze Feder

Bertschinger sagt, ob es gelungen ist, entscheide das Publikum. Das passt. Denn diese Kampagne funktioniert nur, wenn man kurz stehen bleibt – und sich beim Weitergehen ertappt, wie man den eigenen Einkauf mental durchscannt. Und der m&k-Redaktor bleibt selbstverständlich unbescholtener Bürger. Bestellt bei Galaxus höchstens Mikrofon und mobiles Licht fürs Drehen – niemals Mordwerkzeug. Am ehesten eine spitze Feder. Und falls es die bei Galaxus gibt: bitte nur in harmloser Ausführung.

«Für uns war dieses Projekt eine echte Herzensangelegenheit. Man spürt die Leidenschaft des Theaters für sein Stück und genau diese Freude hat sich auch auf unser Team übertragen. Wir hatten grossen Spass daran, ‚Mordsfreundin‘ weiterzudenken und über die Bühne hinaus zu inszenieren.» – Fabian Bertschinger

«Mordsfrundin» ist mit Wanda Wylowa, Tonia Maria Zindel, Alexandre Pelichet, Kamil Krejčí, Peter Hottinger, Gina Markowitsch und Rafael Luca Oliveira, Regie Hanna Scheuring. Dauer: 2h15min, inkl. Pause. Alle Vorführdaten gibt es hier. 

Credentials: Im Werbe- und Marketingteam wirkten nebst Fabian Bertschinger auch Markus Gut, Manuel Griestock, Laura Hamami und T+T Fotografie

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