Russland beginnt mit Sperrung von Messengerdienst Telegram

Die russischen Behörden haben am Montag mit der Sperrung des beliebten Messenger-Diensts Telegram begonnen. Die Aufsichtsbehörde Roskomnadsor stützte sich bei Bekanntgabe des Schritts auf ein Gerichtsurteil von vergangener Woche.

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Die Richter hatten die Blockade von Telegram angeordnet, nachdem der Online-Dienst den russischen Sicherheitsbehörden die Entschlüsselung privater Chats verweigert hatte.

Telegram informierte seine russischen Nutzer am Montag, dass die Behörden mit der Sperrung begonnen hätten. Der Zugang sei allenfalls noch mit einer verschlüsselten VPN-Verbindung möglich.

Der russische Telegram-Mitgründer Pawel Durow hatte sich geweigert, den russischen Sicherheitsbehörden Zugang zu der App zu ermöglichen. Am 20. März hatte Roskomnadsor dem Dienst eine Frist von zwei Wochen gesetzt, die Forderungen der Behörden zu erfüllen. Diese argumentierten, dass Telegram auch von «terroristischen und extremistischen Organisationen» genutzt werden könne.

Am Montag bezeichnete es Durow als «entlarvend, dass autoritäre Regime (zum Beispiel Russland) versuchen, Telegram wegen der Verschlüsselung zu blockieren». Telegram halte die Sperrung für «verfassungswidrig» und werde weiter gegen sie vorgehen.

Kreml kommuniziert via ICQ

Der Mediendienst des Kremls unterrichtete die akkreditierten Journalisten am Montag, dass er fortan nicht mehr über Telegram kommuniziere, sondern über den Chat-Dienst ICQ. Der in den 1990-er Jahren entwickelte Dienst befindet sich im Besitz des russischen Onlinekonzerns Mail.ru. Eigentümer ist der Milliardär Alischer Usmanow.

Seit dem Start von Telegram im Jahr 2013 wuchs die Zahl der Nutzer auf über 200 Millionen. Besonders beliebt ist der Dienst wegen seiner starken Verschlüsselung bei politischen Aktivisten, er wurde allerdings auch schon von Extremisten genutzt.

Jüngst war die Nutzung von Telegram auch an iranischen Schulen verboten worden. Das Bildungsministerium gab bekannt, fortan dürften an Bildungseinrichtungen der Islamischen Republik nur noch «einheimische Netzwerke« genutzt werden.

Frankreich mit eigenem Dienst

Die französische Regierung gab unterdessen die Entwicklung eines eigenen Messengerdienstes bekannt. Die App sei von einem Entwickler in Staatsdiensten programmiert worden und werde von 20 Regierungsmitarbeitern getestet.

Die neue Software solle bis zum Sommer für die gesamte Regierung verpflichtend werden, sagte eine Sprecherin des Digitalministeriums am Montag. Frankreich brauche einen Dienst, der nicht von den USA (WhatsApp) oder Russland (Telegram) verschlüsselt werde. Die Sprecherin verwies auch auf die jüngste Datenaffäre der WhatsApp-Mutter Facebook. «Deswegen sollten wir die Führung übernehmen.»

Präsident Emmanuel Macron hatte Telegram im vergangenen Jahr für seinen Wahlkampf genutzt und ist bis heute dort öfters online. Seit diesem Jahr gibt es allerdings vermehrt Datenschutzbedenken. So können Regierungsmitarbeiter WhatsApp oder Telegram nicht auf ihren Diensttelefonen nutzen. (SDA)

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