«Mit Sora & Co. müssen wir Bewegtbild völlig neu denken»
KI-Technologien wie Sora oder Runway revolutionieren die Kreativbranche und schaffen völlig neue Möglichkeiten für Film- und Videoproduktionen. Im Hybridinterview erklärt KI-Pionier Rolf Jeger, warum diese Tools das Potential besitzen, die Branche auf den Kopf zu stellen.

Die Fortschritte in der KI-gestützten Videoerstellung sind atemberaubend. Tools wie Sora, das aktuell in der EU noch nicht verfügbar ist, oder Runway 3 liefern Ergebnisse, die vor wenigen Jahren noch unvorstellbar waren. Rolf Jeger, Buchautor und Vorreiter auf diesem Gebiet, sieht darin eine Revolution für die Kreativbranche: Vom Erklärfilm über Social-Media-Spots bis hin zu kompletten Spielfilmen werden Produktionsprozesse radikal verkürzt und kreative Möglichkeiten erweitert. Dabei hebt er die Bedeutung hervor, stets den «Driver Seat» zu behalten, um die Tools gezielt für die eigenen Projekte einzusetzen. Das Interview liefert wertvolle Einblicke für Agenturen und Kreative, die vor der Herausforderung stehen, ihre Workflows an diese neuen Technologien anzupassen.
m&k: Herzlich willkommen hier auf dem roten Sofa bei Rolf Jeger, einem der führenden KI-Pioniere in der Schweiz, Buchautor und Verleger. Lieber Rolf, wie würdest du dich selbst beschreiben?
Rolf Jeger: Ich bin ein Werber, der der Technik-Faszination nicht widerstehen kann. Und in der heutigen Zeit bedeutet das, dass ich mit Haut und Haar in die Welt der KI eingetaucht bin.
Du hast hier eine umfangreiche Liste mitgebracht. Was sehen wir darauf?
Das ist eine Marktübersicht über die aktuellen KI-Videogeneratoren. Die Vielfalt ist überwältigend, und es ist eine Herausforderung, den Überblick zu behalten. Diese Tools entwickeln sich ständig weiter, und es ist entscheidend zu wissen, welches Tool für welche Anwendung am besten geeignet ist.
Wie verschafft man sich hier den Überblick?
Es bleibt einem nichts anderes übrig, als dran zu bleiben und zu experimentieren. Für Agenturen ist es wichtig zu wissen, welches Tool in welchem Kontext sinnvoll eingesetzt werden kann. Die Resultate sind oft überraschend gut und verkürzen Arbeitsprozesse, die früher Wochen gedauert haben, auf wenige Stunden.
Erinnerst du dich an den Moment, als dich der KI-Virus infiziert hat?
Absolut. Es war in Frankreich, mitten in der Natur mit Flamingos um mich herum. Ich habe auf meinem Handy die News über ChatGPT gelesen und sofort angefangen zu experimentieren. Es war ein bahnbrechender Moment – ich wusste, das wird alles verändern.
Gestern wurde Sora gelauncht. Wie schätzt du dieses Tool ein?
Sora wurde extrem gehypt. Die Demo-Videos zeigen beeindruckende Ergebnisse, aber es ist aktuell noch nicht in der EU verfügbar. Trotzdem zeigt Sora das Potential, professionelle Produktionen wie Erklärvideos, Dramen oder sogar Spielfilme zu revolutionieren. Es ist faszinierend zu sehen, wie viel Vorarbeit mit Hollywood-Fachleuten geleistet wurde. Ich denke, Sora wird einen großen Einfluss haben, sobald es bei uns verfügbar ist.
Runway hat ebenfalls Fortschritte gemacht. Wie siehst du die Entwicklung dort?
Runway hat in der neuen Version 3 große Sprünge gemacht. Die Qualität der generierten Videos ist beeindruckend, und vor allem die Steuerungsmöglichkeiten für Kamerabewegungen sind eine echte Bereicherung. Ich erinnere mich, wie schwierig es vor einem Jahr noch war, brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Heute kann man Keyvisuals in bewegte Clips verwandeln – ideal für Social Media.
Du hast ein Beispiel genannt, bei dem KI die Produktion beschleunigt hat. Kannst du das genauer erklären?
Ja, wir haben kürzlich eine Kampagne mit 30 Interviews pro Sprache erstellt. Dank eines KI-Tools konnten wir den Rohschnitt automatisieren und gezielt mit Textsuchen arbeiten. Was früher Wochen gedauert hätte, haben wir in wenigen Tagen geschafft. Diese Effizienz war entscheidend, um das Projekt im vorgesehenen Budgetrahmen umzusetzen.
Viele Kreative fragen sich, ob sie ihre Workflows jetzt umstellen müssen. Was würdest du ihnen raten?
Ich denke, es ist unvermeidlich, dass sich die Workflows anpassen werden. Die Tools bieten enorme Möglichkeiten, aber sie erfordern ein Umdenken. Wichtig ist, dass man selbst im «Driver Seat» bleibt. Man muss wissen, was man will und die Tools gezielt einsetzen, um die eigenen Ideen bestmöglich umzusetzen. Es braucht Mut und Neugier, um neue Ansätze auszuprobieren, aber die Ergebnisse können bahnbrechend sein.
Ein letzter Punkt: Wie können Printprodukte durch KI unterstützt werden?
Mit KI kann man Inhalte aus Print für Bewegtbild adaptieren. Zum Beispiel könnte man ein Magazin durchgehen und KI bitten, basierend auf den Texten und Bildern Videoinhalte vorzuschlagen. Das schafft eine völlig neue Dynamik und hilft, die Reichweite der Inhalte zu erweitern. Wichtig bleibt aber, dass man die Ideen und Outputs gezielt auswählt und anpasst.

Vielen Dank, Rolf, für diese spannenden Einblicke!
Danke dir, Beat. Es war mir eine Freude.
Das neuste Buch von Rolf Jeger gibt es hier.

