Visuelle Trends für 2018: Aufbrechen von Stereotypen und ein Wandel im Storytelling
Getty Images veröffentlicht am Dienstag die jährliche Prognose der visuellen Trends, die die Bildsprache 2018 weltweit beeinflussen werden.

Die visuellen Trends von Getty Images für 2018 zeigen das fortschreitende Aufbrechen von Stereotypen und einen Wandel im Storytelling
Aus dem jährlich erscheinenden Trendbericht geht unter anderem hervor, dass Marken und Medien dieses Jahr die moderne Maskulinität neu definieren werden. So ist «Masculinity Undone» neben «Second Renaissance» und «Conceptual Realism» einer von drei Trends, die laut des Unternehmens in diesem Jahr den grössten Einfluss auf die Bildsprache und somit die Ansprache von Verbrauchern haben werden.
Die zukunftsweisende visuelle Prognose von Getty Images enthüllt Makro- und Mikrotrends, die auf der Recherche von Experten von Getty Images aus dem Bereich visueller Kommunikation basiert. Darüber hinaus wurden Such- und Bilddaten (Auswertung des Suchverhaltens von einer Milliarde Kunden und von 400 Millionen Downloads, die jedes Jahr auf der Website durchgeführt werden) analysiert. Die Trends berücksichtigen die weltweiten Veränderungen und deren mögliche Entwicklungen in den kommenden zwölf Monaten und dienen somit als Orientierungshilfe für Medien, Werbetreibende, Marken und Unternehmen.
Als Vorreiter im Bereich der visuellen Trend-Prognosen konnte Getty Images in den letzten 20 Jahren unter anderem zukünftige Entwicklungen in den Themenfeldern Gender, soziales Bewusstsein, Design, Technologie, Reisen und weiteren Bereichen vorhersagen.
Die visuellen Trends von Getty Images für das Jahr 2018 sind im Einzelnen:
Masculinity Undone
Während in den vergangenen Jahren der Fokus zu Recht auf der stereotypen Darstellung von Frauen in der Werbung und in den Medien lag, wird nun immer deutlicher, dass auch die Darstellung von Männern extrem veraltet ist. So wird aktuell in der Deutschen Öffentlichkeit diskutiert, inwiefern das Bild des stereotypen «echten» Mannes überholt ist und die Grenzen zwischen den klassischen Definitionen von Mann und Frau verschwimmen.
Denn durch demographische und kulturelle Veränderungen verlieren die gängigen eindimensionalen Vorstellungen von Männlichkeit an Relevanz. 2018 werden die althergebrachten visuellen Stereotypen in Bezug auf Männer weiter aufgebrochen. Dies führt dazu, dass wir mehr Bilder sehen werden, in denen Emotionen, Verletzlichkeit und Komplexität auch bei Männern eine Rolle spielen.
Die Daten von Getty Images zeigen, dass Kunden verstärkt nach Begriffen wie «homosexuelle Väter» (Anstieg um 53 Prozent), «meditierende Männer» (Anstieg um 126 Prozent) und «alleinerziehende Väter» (Anstieg um 60 Prozent) gesucht haben.
Second Renaissance
Da heutzutage Millionen von Menschen tagtäglich hochwertige Handykameras mit sich herumtragen, ist das Fotografieren einfacher denn je geworden. Als Antwort darauf lassen sich professionelle Fotografen immer häufiger von der Kunstgeschichte inspirieren. Das Ergebnis sind Bilder, in denen bewusst das künstlerische Handwerk von Fotografien sichtbar wird.
Im Bereich Portraitfotografie orientiert man sich nun wieder an Bildern vergangener Epochen. Dieser Trend ist weitgehend Künstlern verschiedenster ethnischer und kultureller Herkunft zu verdanken, denn sie sind auf der Suche nach positiveren und vielfältigeren visuellen Erzählweisen. Durch den Einsatz von gedämpften Farben und luxuriösen Stoffen werden nicht nur die herkömmlichen künstlerischen Techniken überarbeitet, sondern auch Erinnerungen an alte Gemälde hervorgerufen.
Die Nachfrage nach dieser Art von Arbeiten nimmt zu. Dies belegt beispielsweise der Anstieg von Suchwörtern wie «abstrakt luxuriös» (um 186 Prozent gestiegen) oder «Vintage-Porträt» (Anstieg um 94 Prozent).
Conceptual Realism
Eine Kombination aus verschiedenen Faktoren hat einen neuen visuellen Trend hervorgerufen – den „konzeptuellen Realismus“. Neue Technologien, wie die sozialen Medien, und eine allgemeine öffentliche Skepsis, nicht alles für bare Münze zu nehmen, haben die Nachfrage nach mehr „realen“, authentischen Bildern deutlich erhöht. Bei diesem Trend, der ursprünglich aus der Kunst- und Modewelt stammt, erzeugen Fotografen Bilder, die sich durch einen realistischen Stil auszeichnen.
Erreichbarkeit und Zugänglichkeit sind Schlüsselkomponenten, wenn es um den Kontakt zu den heutigen Konsumenten geht. 2018 wird sich jedoch zeigen, dass sich Künstler auf immer unerwarteter Weise mit diesen Themen auseinandersetzen.
So nahm die Suche nach «unerwartetes Konzept» um 116 Prozent zu, die nach «Realität» um 176 Prozent.
Weltweite Themen spiegeln sich in Daten zur Bildsuche wider
Die Suchanfragen nach «Diversität und Inklusion» – Begriffe, die über Masculinity Undone und Second Renaissance hinausgehen – stiegen um satte 917 Prozent und auch die Suche nach «LGBTQ» nahm um 809 Prozent zu. Marken und Unternehmen sehen nun ebenfalls die Notwendigkeit einer verbesserten visuellen Darstellung der unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen. Dies zeigt sich darin, dass die Suchanfragen nach «multiethnischen Familien» um 385 Prozent und nach «kultureller Vielfalt» um 252 Prozent zunahmen.
Beunruhigend scheint, dass deutlich häufiger nach Bildern gesucht wurde, die Stress und Ängste (insbesondere bei Männern) zeigen. Die Suchanfragen nach «Teenager-Selbstmord» stiegen um 429 Prozent, «emotionaler Stress» um 263 Prozent, «emotionaler Missbrauch» um 110 Prozent, «gestresster Mann» um 105 Prozent, «Depressionen bei Männern» um 31 Prozent und die nach «besorgt aussehender Mann» um 100 Prozent.
Erfreulicherweise deuten die Suchdaten jedoch auch darauf hin, dass der weltweite Schwerpunkt zunehmend auf dem psychischen Wohlbefinden liegt: Die Suchanfragen nach «psychischer Gesundheit» stiegen um 174 Prozent und die nach «psychischem Gesundheitsbewusstsein» um 258 Prozent.
Andy Saunders, Senior Vice President für Creative Content bei Getty Images, sagte: «Wenn Bilder allgegenwärtig sind, vergisst man leicht, welchen Einfluss sie haben. Sie bewegen uns emotional sowie psychisch und können darüber hinaus unseren Horizont erweitern. Wir freuen uns, dass die visuellen Trends, die unseren Erwartungen nach 2018 für Marken und Unternehmen wichtig sein werden, einen gewissen Optimismus erkennen lassen: eine Vision des Wandels, neue Helden und unablässige Kreativität. Für viele Menschen, die zuvor unsichtbar waren, deren Gesichter oder Körper keinen Platz in den Mainstream-Medien fanden, ist das sehr wichtig. Dies sind zwar kleine Schritte auf dem Weg zu einer kulturell vielfältigeren und interessanteren Welt, aber auch diese können zum Erfolg führen.»
Die visuellen Trends für das Jahr 2018 von Getty Images wurden im Rahmen des jährlich erscheinenden kreativen Handbuchs «Creative In Focus» veröffentlicht. Die Publikation enthält neben einer umfassenderen Analyse der visuellen Trends auch einen detaillierten Einblick in die Suchdaten aus verschiedenen Regionen der Welt. Creative In Focus stellt ausserdem talentierte Fotografen aus aller Welt vor und präsentiert Foto-Essays, die sich mit Crowdsourcing-Bilder und der Entwicklung früherer visueller Trends beschäftigen. Visualtrends.gettyimages.com
Methodik:
Die drei Trends wurden von einem internationalen Getty Images Team, bestehend aus kreativen Forschern und Artdirektoren, in einer umfassenden Recherche ermittelt. Dabei greift das Team auf das einzigartige Bilderrepertoire des Unternehmens und die professionelle Auswertung von Bildern aus Werbung und Pop-Kultur zurück. Zudem wird das sich weltweit verändernden Konsumenten- und Gesellschaftsverhalten für 2018 berücksichtigt.
Hinzu kommen die eigenen Such- und Bilddaten von Getty Images, die von den jährlich 400 Millionen Downloads auf der Website stammen. Alle diese Daten werden anschliessend analysiert, um eine umfassende Übersicht über die Visualisierungsmethoden und -stile zu erhalten, die aller Erwartung nach das kommende Jahr prägen werden.
