40 Jahre Basler Zeitung – vom Forumsblatt zur angriffigen Zeitung

Die Basler Zeitung (BaZ) ist am Dienstag 40 Jahre alt geworden. 1977 durch die Fusion der linksliberalen National-Zeitung mit den bürgerlich-konservativen Basler Nachrichten entstanden, hat sie zuletzt mit Christoph Blocher als neuem Mit-Besitzer stürmische Zeiten erlebt.

Unbenannt

Einst Produkt der ersten grossen Zeitungsfusion der Schweiz, gehörte die BaZ lange quasi zur Grundausstattung jeden Haushalts der Region Basel. Mit dem Ableben der katholisch geprägten Nordschweiz und der linken Basler AZ wurde sie in den 1980er-Jahren noch dominanter. Über die Region kam die BaZ nie recht hinaus: Mitte der 1990er-Jahre machte sie mit dem Einstieg beim Weltwoche-Verlag Jean Frey einen Schritt über den Jura, zog den Fuss aber eine Dekade später wieder zurück.

Das Baselbieter Lokalradio Edelweiss (einst Raurach, inzwischen Energy) hielt die BaZ rund sechs Jahre. Später kaufte BaZ-Verleger Mathias Hagemann – seiner Familie gehörte der Verlag mehrheitlich – nach dem Verkauf der BaZ 2010 die Mehrheit an Radio Basilisk.

Einstieg Blochers

Als BaZ-Käufer trat der Tessiner Financier Tito Tettamanti auf. Die Ernennung des Blocher-Biographs Markus Somm zum Chefredaktor löste Widerstand in der Redaktion und öffentliche Proteste aus. Nach Dementis gab Christoph Blocher 2013 zu, BaZ-Financier und -Miteigentümer zu sein. Doch das Etikett des Blocher-Blattes liess die BaZ-Abozahlen in den Keller sausen. Der neue CEO Rolf Bollmann verschrieb der BaZ einen Sparkurs: 2011 baute er Stellen ab und schloss 2013 die Zeitungsdruckerei. Eine Sonntagsausgabe wurde nur ein Jahr alt. Heute wird die BaZ bei der Tamedia in Zürich gedruckt – und schreibt schwarze Zahlen. Eine 2014 lancierte kleine Tabloid-Schwester namens BaZ kompakt verbreitet heute zudem zweimal wöchentlich BaZ-Inhalte gratis. Im Internet ist die BaZ derweil unter dem Newsnetz-Verbund mit Tamedia präsent. Die Konkurrenz profitierte vom Anti-Blocher-Effekt wenig: Nur ein überschaubarer Teil der Ex-BaZ-Abonnenten stieg etwa auf die Basellandschaftliche Zeitung respektive bz Basel um. Dafür ging 2011 aus einer Protestbewegung das Wochenblatt mit Online-Standbein TagesWoche hervor, bleibt jedoch bis heute ein kleiner Player.

Staatskritik als Prinzip

Vom meist braven, als profillos gescholtenen Forumsblatt hat sich die BaZ unter Somm zu einer angriffigen Zeitung gewandelt. Bei den letzten Wahlen zeigten wortgewaltige Kommentare und Kampagnen für ein bürgerliches Basel jedoch kaum Wirkung. Die Linke regiert weiter. Somm selber skizziert in einem Leitartikel in der Jubiläumsbeilage vom Dienstag die Aufgabe seines Blattes – er ist Miteigentümer – als Korrektiv zur Macht des Staates, als Kontrollinstanz für die Regierenden. Das treffe auch Rechte, obschon die politischen Vorlieben im Zweifelsfall eher rechts von der Mitte lägen.

In jener Beilage lobt SP-Doyen Helmut Hubacher die BaZ dafür, dass zum Nutzen der Demokratie die andere, rechte Meinung zum Zug komme. Die Beilage zitiert auch zahlreiche Stimmen mit Lob und Tadel aus allen Lagern und Szenen. Die Auflage der BaZ liegt derzeit bei 48’000 Exemplaren. (SDA)

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