«Es gibt unternehmensintern keine Differenzen»
Nach sechs Jahren an der Spitze von Clear Channel Schweiz verlässt CEO Jürg Rötheli das Unternehmen. Stefan Lameire übernimmt ab April interimistisch. Die Werbewoche hat nachgefragt.
«Es ist für Clear Channel und daher auch für mich der richtige Zeitpunkt, die Führung abzugeben», so CEO Rötheli in einer Mitteilung. «Clear Channel bietet nun eine echte Alternative zu den bestehenden Aussenwerbungsanbietern in der Schweiz, auf diese Arbeit sind wir stolz».
Für die kommenden Jahre muss Clear Channel in der Schweiz mit einer neuen operativen Führung weiter wachsen. Rötheli gibt seine Führungstätigkeiten bis Ende dieses Monats ab, bleibt dem Unternehmen als Berater jedoch weiterhin erhalten. Bis ein Nachfolger für den zurücktretenden CEO Jürg Rötheli gefunden ist, wird Stefan Lameire, Chief Customer und Revenue Officer, zusätzlich zu seinen bestehenden Funktionen die interimistische Leitung von Clear Channel Schweiz übernehmen. Er berichtet an Matthew Dearden, Präsident von Clear Channel Europa.

Dem ehemaligen Swisscom-Konzernleitungsmitglied Rötheli sei es in nur sechs Jahren gelungen, den Schweizer Markt für Aussenwerbung von einem Quasi-Monopol in einen Markt mit Alternativen umzuwandeln, schreibt Clear Channel. Dieser Erfolg habe Clear Channel Schweiz in eine gute Position für die Zukunft gebracht. So vertrauen beispielsweise Städte wie Zürich, der Flughafen Zürich und diverse moderne Shopping Center in der Schweiz auf die Innovationen von Clear Channel. Clear Channel Europa Chef Dearden zum Schweizer Markt: «Wir sehen in der Schweiz ein sehr grosses Potential, im Out-of-Home Markt weiter zu wachsen. Es freut mich ausserordentlich, dass wir Stefan Lameire als Interim-CEO gewinnen konnten. Mit seinem Wissen im europäischen Werbemarkt und seinen Führungsqualitäten als General Manager in Belgien bin ich zuversichtlich, dass sich die grossen Anstrengungen von Clear Channel unter der Führung von Jürg Rötheli weiterhin bezahlt machen werden».
Rötheli wurde 2014 von der Clear-Channel-Zentrale in London, zusätzlich zur seiner Funktion des CEO Schweiz, zum Vice President Central Europe und Mitglied der Geschäftsleitung von Clear Channel International berufen. In dieser Rolle leitet er auch die Tochtergesellschaften Ungarn, Belgien und Holland und verantwortet das europaweite Flughafengeschäft. Der 52-Jährige wird seine Funktionen bei Clear Channel in der Schweiz und in Europa abgeben, bleibt dem Unternehmen jedoch für spezifische Beratungsfunktionen weiterhin erhalten. Über künftige Aufgaben will sich der Rechtsanwalt und CEO noch nicht äussern. Er sieht seine künftigen Optionen wieder in einer Führungsfunktion mit internationalem Bezug.

Werbewoche: Jürg Rötheli, Clear Channel hat auch international auf Sie gesetzt – und vermutlich mit Ihnen geplant. Ist es wirklich, wie kommuniziert «der richtige Zeitpunkt», das Unternehmen zu verlassen?
Jürg Rötheli: Ja, es ist der richtige Zeitpunkt für mich und auch für Clear Channel. Wir haben sehr erfolgreiche sechs Jahre hinter uns. Die Firma hat sich gut entwickelt und zusammen mit meinem Team konnte ich die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Erfolg schaffen. Clear Channel ist heute sehr gut aufgestellt und steht gefestigt im Markt da. Der Zeitpunkt ist deshalb gut für einen Wechsel an der Spitze. Mein Nachfolger kann so bereits von Beginn weg auf einem soliden Fundament aufbauen. Das gibt auch mir ein gutes Gefühl.
Gab es unternehmensintern Differenzen oder Meinungsverschiedenheiten?
Nein, es gibt keine Differenzen. Weder in der strategischen Ausrichtung noch in anderen Fragen, wie zum Beispiel in Führungsfragen. Im Gegenteil, wir sind uns einig, dass Clear Channel in der Schweiz weiterhin ein ausgezeichnetes Potential für ein weiteres Wachstum aufweist. Wir sind in den letzten sechs Jahren ohne Zweifel zum ernstzunehmenden Konkurrenten im Out-of-Home Markt geworden. Diese positiven Entwicklungen können neue Kräfte nun weiter ausbauen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass dies gelingen wird.
War der Weggang schon länger geplant?
Sie können sich bestimmt vorstellen, dass man eine solche Entscheidung nicht von heute auf morgen fällt. Meistens ist es ein längerer Prozess und eine Entscheidung, welche gut überlegt sein will. Dazu gehören diverse Analysen, strategische Überlegungen für das Unternehmen und natürlich auch persönliche Präferenzen. Ich habe viel mit der Leitung des Konzerns diskutiert und danach meine Entscheidung gefällt. Meinen Chefs ist es anzurechnen, dass sie sich nicht gegen meine Pläne gestellt haben und offen waren, mit mir zusammen eine Lösung für Clear Channel zu in der Schweiz zu suchen.
Was war rückblickend auf die letzten sechs Jahre Ihr grösster persönlicher Erfolg bei Clear Channel?
Mein wahrscheinlich grösster persönlicher Erfolg ist auch gleichzeitig der grösste Erfolg von Clear Channel in der Schweiz: Zusammen mit meinem Team habe ich es geschafft, in nur sechs Jahren den Schweizer Markt für Aussenwerbung von einem Quasi-Monopol in einen Markt mit Alternativen umzuwandeln. Dieser Erfolg ist aussergewöhnlich und hat nicht nur Clear Channel in eine gute Position gebracht. Heute profitieren sowohl unsere Kunden wie auch die öffentliche Hand von der Erweiterung des Angebots, der Qualität und der Innovationskraft von Clear Channel.
Gibt es auch etwas, das Sie Ihrem Nachfolger lieber anders übergeben hätten, beziehungsweise das sich nicht wie gewünscht oder geplant entwickelt hat?
Als CEO ist man nie restlos zufrieden und möchte sich und das Unternehmen stetig verbessern und weiter entwickeln. Mein Nachfolger, Stefan Lamerie, der die Funktion des CEO interimistisch übernimmt, trifft auf eine Firma, bei der die Voraussetzungen für weitere Erfolge sehr gut sind. Er wird mit einem hervorragenden Team hier in der Schweiz arbeiten dürfen. Auch findet er einen Markt vor, in dem Clear Channel ein fester Begriff ist. Ich wünsche ihm sehr, dass er sich hier wohl fühlt und die Erfolgsgeschichte weiter schreiben kann.
Interview: Thomas Häusermann
