Verleger rüsten sich gegen Joint Venture

Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument kündigt an, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Werbeallianz von SRG, Swisscom und Ringier vorzugehen.

Die vergangene Woche angekündigte Zusammenlegung der Werbevermarktung von Swisscom, Ringier und der SRG sorgt beim Verband Schweizer Medien (VSM) für rote Köpfe. Unter anderem werden Wettbewerbsverzerrungen und eine schleichende Unterwanderung des Online-Werbeverbots der SRG befürchtet. Nach den heftigen Diskussionen an der Vorstandssitzung des VSM am Dienstag trat Ringier am Donnerstag aus dem Verband aus, da sich Konzernchef Marc Walder vorwerfen lassen musste, er setze sich als bisheriger SRG-Kritiker mit der Radio- und Fernsehgesellschaft ins selbe Boot (Werbewoche.ch berichtete).

Gegenüber der NZZ am Sonntag zeigt sich VSM-Präsident Hanspeter Lebrument kämpferisch. «Wir werden alles tun, um zu verhindern, dass die öffentlichen Anstalten verstärkt ins Werbegeschäft eingreifen», so der Somedia-Verleger. Alle zur Verfügung stehenden Mittel würden ausgeschöpft.

Welche das sein werden, ist noch unklar. Eine allfällige Verfügung der Weko, die das Geschäft momentan einer Vorprüfung unterzieht, kann nur von den beteiligten Parteien angefochten werden. Möglich wäre hingegen eine Beschwerde beim Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Das Uvek prüft die Auswirkungen von Aktivitäten ausserhalb der konzessionierten Tätigkeit der SRG auf deren Kerngeschäft sowie auf die privaten Medienunternehmen. Erlassene Auflagen oder Verbote können beim Bundesverwaltungsgericht nicht angefochten werden.

Bevor man den Rechtsweg beschreite, werde man aber das Gespräch mit Bundesrätin Doris Leuthard suchen, so Lebrument zur NZZ am Sonntag. Man hoffe, dass Leuthard die Bedenken der Verleger ernst nehme, wie damals, als es um das Online-Verbot für die SRG ging. Man glaube, dass es der SRG auch dieses Mal nicht gelingen werde, in das Werbegeschäft der privaten Medien einzudringen. Leuthard wird sich laut Uvek demnächst mit dem geplanten Joint Venture befassen und sich von den Unternehmen über den genauen Inhalt informieren lassen.

Jacqueline Badran begeistert

Die geplante Werbeallianz stösst nicht nur auf Kritik. IT-Unternehmerin und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran zeigt sich gegenüber der Schweiz am Sonntag begeistert. Sie sei die richtige Antwort, um der konvergenten Werbeindustrie das zu liefern, was sie verlange – nämlich die Möglichkeit zur zielgruppengenauen Ansprache. Das sei die richtige Reaktion auf Youtube, Facebook und Google, die heute die personalisierte Werbung beherrschten. Trotz Staatsnähe hätten SRG und Swisscom unternehmerisch zu handeln – und Ringier habe sich diesem Verbund klug angeschlossen. Badran rät Tamedia-Verleger Pietro Supino, statt zu lamentieren, solle sich Tamedia doch mit Goldbach zusammenschliessen. Supino soll sich im VSM fürchterlich über Ringiers «Verrat» empört haben. (NZZaS, SaS, hae)

(Teaserbild: SRG, Ringier, Swisscom, Keystone)
 

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