Zu guter Letzt: Jesses, diese Werbung

Ein deutscher Muscial-Veranstalter trat mit einer Anzeige ins religiöse Fettnäpfchen. Trotzdem: Jesus war schon immer ein Werbestar und wird es wohl auch bleiben.

Clever inszeniert oder unabsichtlicher Lapsus? Anfang Februar sorgten die Sommerfestspiele Dinkelsbühl mit ihrem Plakat deutschlandweit für Gesprächsstoff und lösten eine (weitere) Diskussion über Blasphemie und künstlerische Freiheit aus. In Anspielung an das Musical «Jesus Christ Superstar» zeigt das Werbesujet die Kreuzigung auf dem Berg Golgota. Stein des Anstosses der direkt unter den Kreuzen angebrachte Hinweis «Sichern Sie sich die besten Plätze!».

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Intendant Peter Cahn nervte sich über gewisse wütende Leserbriefe in der Lokalpresse, die ihm Gotteslästerung vorwarfen. «Wir erwarten heute sehr viel Toleranz von allen, aber wir müssen auch tolerant in Bezug auf unseren eigenen Glauben sein. Mit dem Wort Blasphemie so inflationär um sich zu werfen, finde ich sehr gefährlich», so Cahn gegenüber der FAZ. Er gestand aber auch Fehler zu, bezeichnete die Unterschrift als «unglücklich gewählt». Er habe die Assoziation nicht gehabt, als die Werbetafeln gemacht worden seien.

Kalkulierte Provokation wird oft im Nachhinein mit Versehen entschuldigt. Mit minimalem finanziellem Aufwand über die Landesgrenzen hinaus für Gesprächsstoff sorgen – da nimmt man vermutlich gerne auch ein paar erboste Reaktionen in Kauf. Im Fall Dinkelsbühl hingegen scheint der Lapsus glaubwürdig. Für einen geschickt inszenierten PR-Coup wirkt das Ganze – besonders die Typografie – etwas zu handgestrickt.

Dabei ist altbekannt, dass sich Religion sogar noch besser als nackte Haut eignet, um durch Aufmerksamkeit zu provozieren. Nachvollziehbar also, dass Jesus Stammgast auf den Werbesujets dieser Welt ist. Irgendjemand regt sich immer auf, irgendwas wird immer verboten, irgendein Medium berichtet immer darüber. Einige Beispiele, wie Jesus – mal kreativ, mal eher plump – in der Vergangenheit als «Lockvogel» eingesetzt wurde. (hae)

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«Richtig gutes Brot.» Bäckerei Tröller, 2011, Lukas Bausch

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«Life is short. Enjoy it in a beautiful home.» Koger & Partnerid, 2008, Taevas Ogilvy Tallinn

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«More than 25'000 children live on the streets of Brazil.», Aid For Homeless Children In Brazil 2004, Jung von Matt/Fleet

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«Black Jesus», Pony, 2004, Goodby Silverstein, San Francisco

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«Pure Spirit of Brasil», Sigatiba Vodka, 2006, Saatchi & Saatchi New York

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«Should have used a Diamond», Diamond Power Tools, 2012

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«Jesus, what a jeans!», Robert Kalinkin, 2012, AD McCann Erickson Vilnius

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«Jesus Rose», Radioactiva, The Rock Planet, 2007, Ade, Bogota

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«Was Jesus married?», Canvas TV, 2006, Duvalle Guillaume

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«Thou shalt have no other Gods before me», Harley Davidson, 2005, Y&R Prag

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https://www.youtube.com/watch?v=cCNu–fecco

«Kit Kat Jesus Hoax», Nestlé, 2010, UbachsWisbrun/JWT

«The Good Guys», Unicef Sverige, 2013, Forsman & Bodenfors

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