Wer gewann den Social-Media-Bowl 2015?
Die New England Patriots im Finale gegen die Seattle Seahawks: Vor ein paar Wochen spielte sich das amerikanische Sport-Highlight des Jahres bereits zum 49. Mal ab. Der Superbowl 2015 erreichte wie jedes Jahr weltweit über 100 Millionen von Zuschauern (wie jedes Jahr machte ich auch diese Nacht durch). Denn was für uns Europäer das Champions-League-Finale ist, ist für den Amerikaner das Finale des Superbowl.
Doch nicht nur das Spiel, auch die Werbungen während der Pausen werden jedes Mal mit Spannung erwartet. Stolze 4,5 Millionen Dollar kostet so ein 30-Sekunden-Spot. Grosskonzerne wie Mercedes Benz, Snickers oder Victoria’s Secret bezahlen dies gerne, engagieren reihenweise Superstars und übertreffen sich gegenseitig mit lustigen und kreativen Spots. Von niedlichem Katzenvideo bis rennender Pac-Man, bei der diesjährigen Ausgabe war wieder so ziemlich alles vertreten. Ja, die finanziellen Ausgaben für den Superbowl sind gross. Das Internet jedoch bekanntlich noch viel grösser. Da diskutierten nämlich bereits im Voraus Millionen von Menschen über die innovativsten, erstaunlichsten und schlechtesten Superbowl-Commercials von diesem Jahr. Heutzutage binden Unternehmen immer öfters verstärkt die sozialen Medien in ihre Werbe- und Kommunikationsstrategien ein. Dies liessen sich auch die Commercials beim Superbowl nicht entgehen. Mich interessiert daher viel mehr, welche Brands es geschafft haben, Social Media in ihre Werbung einzubinden, um online einen viralen Hit zu erreichen.
Heisses für Männer
Beginnen wir mit den Victoria’s-Secret-Engeln, die seit 2008 jedes Mal mit dabei sind: Candice Swanepoel, Alessandra Ambrosio, Adriana Lima, und wie sie alle heissen mögen, zeigten sich in anzüglichen Dessous an Orten in allen Ecken der Welt, während Brenda Lee «I’m in the Mood for Love» singt. Dieser Spot erwärmte natürlich blitzschnell die Männerherzen und liess sie auf Ideen für das nächste Valentinstagsgeschenk bringen. Auch auf Twitter wurde der Clip, jedoch nicht nur von Männern, heiss diskutiert.
Die Internetwelt kann trostlos und traurig sein, aber auch Spass und Freude bereiten. Dies zeigte der Spot von Coca-Cola: Ein Techniker verschüttet in einem Rechenzentrum eine Flasche Coca-Cola – die Flüssigkeit verbreitet sich nicht nur über den Servern, sondern versendet an alle Online-Nutzer eine glückliche Botschaft. Die tristen Szenen verwandeln sich und zeichnen allen ein Lächeln ins Gesicht. Der Spot endete mit dem Claim: «The world is what we make it.» Eine klare Antwort auf Cybermobbing und bösen Online-Kommentaren. Innert Sekunden verbreitete sich der Hashtag #MakeItHappy im Netz und dies deutlich positiv. «Ich schliesse mich Coca- Cola an und bin gegen Internet-Hass.» Oder: «So viel Negativität auf Twitter, das muss nicht sein – danke Coca-Cola!». Coca-Cola setzt somit ein deutliches Zeichen gegen Hass und Wut im Internet und gibt den Usern einen nachhaltigen Impuls, das Internet wieder in ein positives Medium zu verwandeln.
Ein Spot wurde aber speziell diskutiert: Der deprimierende Werbeclip der Versicherungsgesellschaft Nationwide sorgte im Netz für heftige Kritik. Gezeigt wird ein Junge, der erzählt, was er alles im Leben verpassen wird, weil er frühzeitig sterben wird. Am Ende wird darauf hingewiesen, wie viele Kinder bei Unfällen zu Hause sterben. Diese traurige Message schien der Online-Community gar nicht zu gefallen. Unter dem offiziellen Hashtag der Werbung #MakeSafeHappen beklagten sich die User: «Wie deprimierend ist das denn? Passt überhaupt nicht!».
Was schliessen wir daraus? Vor allem witzig und echt müssen sie sein, die Superbowl-Commercials, denn sonst kennt das Netz keine Gnade.
Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ (Hochschule für Wirtschaft Zürich). www.fh-hwz.ch/smm
