Nebelspalter: Kein Tabubruch zum Selbstzweck

Vom Attentat auf die Charlie Hebdo-Redaktion geschockt ist auch die Redaktion des Nebelspalters. Das Schweizer Satiremagazin hat allerdings ein anderes Verständnis von Satire und Tabubruch in Zusammenhang mit Mohammed-Abbildungen.

Marco Ratschiller ist seit zehn Jahren Chefredaktor des Nebelspalters. In dieser Zeit habe es keine einzige Drohung in Zusammenhang mit Glaube oder Religion gegeben, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Satire ist für Ratschiller «keine exakte Wissenschaft». Sie spiele mit Zweideutigkeiten und sei mitunter nicht das beste Mittel der Stunde, um die Medienfreiheit hochzuhalten. Die Nebelspalter-Redaktion fährt denn auch einen anderen Kurs als Charlie Hebdo – laut Ratschiller immer die Zielgruppe im Auge, die es zu unterhalten und zum Denken anzuregen gelte. So hat sich der Nebelspalter 2012, als das französische Magazin Mohammed-Karikaturen publizierte, bewusst gegen einen Abdruck entschieden. «Das ist nicht unser Satire-Verständnis», sagt Ratschiller dazu.

Westen «versteht Bilderverbot nicht»

Die westliche Kultur verstehe das Bilderverbot im Islam nicht. Dort sei die Darstellung Mohammeds ein Tabubruch, «während wir selbst darin im Grunde nicht einmal eine satirische Pointe erkennen». Denn: Eine solche Karikatur habe eine Zielgruppe, zu der man nicht selbst gehört. Diese Form des «Tabubruchs zum Selbstzweck» mache der Nebelspalter nicht. Die Redaktion der Zeitschrift liegt in ländlichem Gebiet und beschäftigt zudem zahlreiche freie Mitarbeitende. Sie dürfte also weniger exponiert sein als eine zentrale Redaktion in einer Grossstadt. Der Nebelspalter erscheint seit 141 Jahren und ist laut eigenen Angaben die älteste Satirezeitschrift der Welt. Das deutschsprachige Magazin kommt zehn Mal pro Jahr heraus und hat eine Auflage von 21'000 Exemplaren.

Keinen Kommentar zu Fragen der Sicherheit abgeben wollte am Mittwoch Roger Köppel, Chefredaktor der Weltwoche. Satiriker Andreas Thiel hatte in einer «Streitschrift» Ende November den Koran und Mohammed kritisiert und damit für Aufruhr gesorgt. (SDA)

Bild: Keystone

More articles on the topic