Zu guter Letzt: Der Automat, mein Freund

Fertig Anonymität: In England wurde der erste Verkaufsautomat mit Gesichtserkennung vorgestellt. Er verweigert gerne mal den Verkauf. Bewusst, nicht störungsbedingt.

Ob die schöne neue Welt wirklich darauf gewartet hat, ist mehr als fraglich. Dass wir früher oder später nicht um das Gesichtserkennungsthema herumkommen werden, leider weniger. Längst wird nicht mehr nur aus Sicherheitsgründen erfasst, wer sich wo aufhält. Um Werbung punktgenau und ohne Streuverlust zu platzieren, ist es Gold wert, das Gegenüber so genau wie möglich zu kennen.
So arbeitete zum Beispiel Intel bereits 2012 an einer Set-Top-Box, die Alter und Geschlecht des Zuschauers erkennt und entsprechende Werbung schaltet. Das ist auch für die Quotenerhebung ein interessanter Ansatz. Für die Privatsphäre weniger.

Die Firma Amscreen hat europaweit bereits tausende von Outdoor-Screens mit Gesichtserkennung aufgestellt. An Tankstellen oder in Lebensmittelläden erfassen sie unter anderem Alter, Geschlecht, die Anzahl der möglichen und der effektiven Zuschauer. Was vor wenigen Jahren noch wie Science-Fiction klang, ist heute längst Realität und wartet nur noch auf den flächendeckenden Durchbruch.

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Bild: Amscreen.eu

Wie die englische Zeitung The Telegraph berichtet, sind nach den schlauen Werbeflächen nun auch die schlauen Verkaufsautomaten auf den Vormarsch. Einst als stumme, anonyme Ausgabestellen von Süssigkeiten, Zigaretten oder Kondomen bei vielen Leuten geschätzt, schaut die kommende Generation von Automaten nun genauer hin, wer was kauft. Die Firma Smart Vend Solutions stellt die «Luce x2 Touch TV beverage vending machine» vor. Das Gerät identifiziert und begrüsst die Kunden persönlich und lernt ihre Kaufgewohnheiten. Das kann nützlich sein, wenn man sich beispielsweise nicht jeden Morgen durchs Kaffee-Menü klicken will. Oder der Automat im Hotel mit einer bebilderten Kundendatenbank verknüpft ist und Käufe direkt auf die Zimmerrechnung gebucht werden.

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Bilder: Smartvendsolutions.com

Der Automat kann aber auch erziehen oder überprüfen: Schulen füttern die Maschinen mit der Schülerdatenbank und verhindern so, dass Minderjährige gewisse Produkte kaufen. Spitäler speisen den Automaten mit Patientendaten und plötzlich kann Diabetiker Meier nicht mehr versehentlich ein Mars kaufen. Und für Frau Müller gibt’s im Fitness-Center auch im Diva-Modus kein Snickers – schliesslich will sie doch ihren Ernährungsplan einhalten.

In naher Zukunft soll – damit die überforderte Menschheit etwas entlastet wird – auch die Bezahlung direkt über das Smartphone in der Hosentasche möglich sein. Nicht einmal bezahlen dürfen wir noch selbst. Zumindest lässt man uns bei der Auswahl momentan noch gewisse Freiheiten. Vielleicht werden wir künftig darauf hingewiesen, dass mit unserem geschätzen BMI ein Stück Zucker im Kaffee eigentlich reichen sollte. (hae)
 

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