Graphic Recording: visuelles Protokoll

Hunderte von Leuten in einem Raum folgen, mehr oder weniger aufmerksam, einer Präsentation. Viel Gesprochenes, viel Theorie und leider oft viel Unverständliches. Man hört zu, starrt auf die monotone Powerpoint-Schlacht, wirft ab und zu einen Blick aufs Smartphone und gelangweilt wieder zurück. Wir alle kennen lange Seminare, Konferenzen oder Workshops. Dass solche Konferenzen nicht immer eintönig daher kommen, beweist Graphic Recording.

Hunderte von Leuten in einem Raum folgen, mehr oder weniger aufmerksam, einer Präsentation. Viel Gesprochenes, viel Theorie und leider oft viel Unverständliches. Man hört zu, starrt auf die monotone Powerpoint-Schlacht, wirft ab und zu einen Blick aufs Smartphone und gelangweilt wieder zurück. Wir alle kennen lange Seminare, Konferenzen oder Workshops. Dass solche Konferenzen nicht immer eintönig daher kommen, beweist Graphic Recording.

Doch was soll man sich unter Graphic Recording vorstellen? Graphic Recording (oder auch Scribing genannt) ist nichts anderes als die visuelle Dokumentation gesprochener Inhalte einer Konferenz oder eines Vortrags. Ein Zeichner steht vor einer Staffelei oder einem Flipchart und fasst das Gehörte parallel zum Vortrag zeichnerisch zusammen – und dies in Echtzeit. Aus verschiedenen Strichen und Farben entsteht schlussendlich ein grosses Bild, welches das Thema illustriert, auf eine spielerische Art und Weise unterstützt und zusammenfasst. Das Publikum kann in einer Pause oder am Ende in aller Ruhe die «In-time-Dokumentation» des Vortrags nochmals unter die Lupe nehmen und in Ruhe betrachten oder fotografieren. So entstehen spannende Dialoge unter den Teilnehmern und eine virale Verteilung der Inhalte auf den sozialen Netzwerken. In den Vereinigten Staaten gibt es bereits mehrere Firmen, die Graphic Recording erfolgreich anbieten. Eine Vorreiterrolle übernimmt dabei ImageThink (imagethink.net), welche mit ihrem Slogan «visuals make meetings better», sogar an Riesenkonferenzen wie die South by Southwest, grosse weisse Flächen zu Kunstwerken verwandelt.

Eine weitere Form von Graphic Recording sind animierte Videos. Oft handelt es sich dabei um so genannte Erklärvideos, welche sich optimal eignen, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen. Ein gutes Bespiel dafür ist RSA Animate (thersa.org), welche u. a. mit ihrem Illustrations-Video «What really motivates us» auf YouTube bereits über 12 Millionen Views erreicht haben.

Auch in der Schweiz und Deutschland spezialisieren sich immer mehr Illustratoren auf die neue visuelle Dokumentationsmethode. Jeder hat seinen eigenen Stil und das ist auch gut so – dies meint jedenfalls Gabriele Heinzel (gabriele-heinzel.com), Graphic Recorder aus Deutschland. Für ihren Beruf reist sie auch mal gerne in die Schweiz und unter- stützt bereits Firmen wie die Allianz, Novartis oder uns an der HWZ Arena zum Thema Digital Disruption. Früher wurde oft gesagt, dass Bilderbücher für Analphabeten seien. Doch heute ist uns allen klar: Mit Hilfe von Visualisierungen mit Infografiken können wir vieles einfacher verstehen und die Masse auf das Wesentliche verdichten. Graphic Recording erfasst genau das Wesentliche, verknüpft Inhalte miteinander, zeigt Strukturen von Gedanken auf und verankert durch witzige Bilder und knallige Farben, so ganz nach dem Motto von Konfuzius: «Erzähle mir und ich vergesse – zeige mir und ich erinnere mich.»

Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich.

www.fh-hwz.ch/smm

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