Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – dies ist die Idee hinter der Social-Media-Plattform Pinterest. Die virtuelle Pinnwand ist nicht nur ein schönes Online-Bilderalbum, sondern hat sich auch in der klassischen Kommunikation einen Namen gemacht.
Doch nun zuerst für alle, die es noch nicht kennen: Pinterest, zusammengesetzt aus den Worten «pin» und «interest» bietet Nutzern einen Platz, um ihre visuellen Fundstücke aus dem Web (neben den Bildern übrigens auch animierte GIF und Videos) thematisch zu organisieren und mit anderen zu teilen. Die Bilder kann man, ähnlich wie bei Twitter, teilen, kommentieren und favorisieren.

User aus der ganzen Welt (mehrheitlich die im Web sonst unterrepräsentierte Zielgruppe «Frauen») teilen neben Ideen für Bastelprojekte, Rezepte oder Reiseideen auch sehr gerne Produkte wie zum Beispiel neue Kleider, Schmuck, Möbel oder Dekorationsartikel, ja einfach alles, was das Frauenherz begehrt. Da sich Pinterest ideal dazu eignet, Produkte anschaulich zu präsentieren, nutzen unterdessen auch immer mehr Firmen die Plattform und binden diese aktiv in die eigene Marketing-Strategie ein. Besonders Design- und Fashionprodukte, aber auch Tattooinspirationen oder Landschaftsbilder, einfach alles, was auf einem Foto gut aussieht, ist für den Einsatz auf Pinterest perfekt geeignet. Dank der neuen Funktion «place pins» kann man nun sogar seine Pins auf einer interaktiven Karte innerhalb seines Pinterest-Kontos eintragen. Für Unternehmen in der Gastronomie und Hotellerie ist dies eine besonders interessante Funktion: So sind mit der neuen Funktion die Möglichkeiten eine Marke zu positionieren enorm gestiegen.
Die amerikanische Supermarktkette «Whole Foods Market» zum Beispiel präsentiert ihre Produkte auf diversen thematischen Boards: von Themen wie Kochen, Essen, Garten bis zu gesunder Ernährung. Die Verbindung zu den Whole-Foods- Produkten ist simpel: Die Rezepte, Anleitungen und Tipps enthalten meist Zutaten, welche beim Bio- Anbieter erhältlich sind. Whole Foods Market fährt damit eine erfolgreiche Content-Marketing-Kampa gne und konnte mit dieser Strategie bereits über 191 000 Follower begeistern.
Der Autohersteller Mercedes präsentiert uns auf insgesamt 53 Pinnwänden nicht nur jede Modellreihe des Sortiments, sondern auch Einblicke in Autoshows, Entwicklungen und Design-Konzepte. Dadurch werden vor allem auch Auto-Fans emotional angesprochen, welche die Marke eher mit positiven Emotionen und Eindrücken als rein mit den Produkten assoziieren.
Nebst den internationalen Players versuchen auch hiesige Unternehmen wie Schokoladenhersteller Lindt neue Wege zu gehen. Lindt zeigt auf seinem Pinterest-Account nicht nur die eigenen Produkte, sondern spricht auch andere Themen an, wie verschiedene Schokoladenkreationen, mit denen sich interessierte Fans und Kunden selbst neue Kombinationen erstellen und Rezepte ausprobieren können. Ein Mehrwert, der die User über die reine Schokolade hinaus interessiert.
Was macht Pinterest besonders interessant? Meiner Meinung nach entspricht die digitale Pinnwand dem Trend hin zu mehr Bildern im Netz, kombiniert mit der steigenden mobilen Internetnutzung. Unternehmen können ohne grosse Worte, aber mit starker Bildsprache eine fokussierte Community aufbauen und gleichzeitig ihre Produkte im Gespräch halten, was marketingtechnisch natürlich durchaus sinnvoll ist. Ich bin gespannt, wann die ersten Offline-Kampagnen mit Pinterest kommen werden.
Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich.
www.fh-hwz.ch/smm
