Kulturmagazin Quottom im Wandel

«Eine kulturelle Plattform für internationale Leser, ein zeitgenössisches Abbild der Perspektiven unserer Gesellschaft» – diesem Anspruch wollen die Herausgeber von Quottom gerecht werden. Seit zwei Jahren sind das Magazin und seine Macher in stetigem Wandel begriffen.

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Begonnen hat alles mit einer Idee: Die Macher von Quottom wollten Ende 2012 ein «ehrliches und unabhängiges Magazin» für ihre gesamte Generation auf die Beine stellen, wie sie damals den Medien mitteilten. Das Kulturmagazin sollte auf insgesamt 250 Seiten Lebensthemen zeitlos mit Kunst verbinden. Dabei werden jeweils zwei Dachthemen fotografisch, künstlerisch, in Wort und Bild angegangen. Aus dem Vorhaben ist mittlerweile ein Herzensprojekt in vollem Gange geworden und die anfängliche Crew bestehend aus Nicolas Walker, Tanja Luchsinger und Ruben Feurer hat sich zu einem zehnköpfigen Kreis erweitert. Zu den Herausgebern des Magazins haben sich inzwischen Yves Sinka, David Khalat und Rebecca Gisler gesellt, viele weitere Personen sind für Quottom online, Event-Management und die Redaktion dazugekommen. Im Magazin selbst finden sich neben noch unentdeckten Autoren und Künstlern wie Philipp Dornbierer (Yehteh) oder dem Journalisten und Fotografen Benjamin Hiller auch bekannte Namen wie Walter Pfeiffer und Yves Netzhammer. «Wir merken durch die Arbeit an Quottom sehr gut, dass man heute viel besser vernetzt ist und die Künstler auch direkt erreichen und begeistern kann», freut sich Nicolas Walker. Das sei früher ohne Internet noch nicht so gut möglich gewesen. Vor allem, da die gesamten Inhalte unentgeltlich abgedruckt werden. Durch eine Crowdfunding- Aktion auf Wemakeit.ch konnte die erste Ausgabe realisiert werden. Heute finanziert sich das Magazin neben Abos, den Verkäufen am Kiosk und Inseraten durch eine bei jeder Publikation stattfindende Publikationsparty. «Den letzten Event besuchten über 1000 Personen», ist Walker heute noch begeistert. Dennoch wolle man den nächsten Event kleiner gestalten, in einem rustikalen Restaurant für rund 250 Leute. «Zum Essen gibt’s Suppe mit Wienerli», sagt er grinsend.

«Ein zeitgenössisches Kulturabbild mit Bestand»

Quottom liegt – neben Cafés, Galerien und Buchhandlungen – auch am Kiosk auf. Ein Verlag steht jedoch nicht hinter dem Magazin. Man wolle unabhängig bleiben, heisst es einstimmig bei den Machern. «Wobei man sich für die Zukunft schon überlegen könnte, mit einem starken Partner die kommerzielle Seite auszubauen», überlegt Yves Sinka, «solange wir dabei unsere Unabhängigkeit nicht verlieren». Sinka kümmert sich um den Aufbau der Kundenbeziehungen und arbeitet aktuell intensiv am Geschäftsmodell des Magazins. Alles selber zu machen, sei aber schon mit sehr viel Aufwand verbunden, gerade etwa die Inserenten-Akquise. Denn noch seien nicht alle Prozesse und Kundenbeziehungen gleich standardisiert. «Es ist halt einfach so: mit je mehr Leuten du in Kontakt bist, desto mehr Inserate kannst du verkaufen», konstatiert Sinka. Und am liebsten würde jeder erst einsteigen, wenn es schon super laufe. «Quottom als Magazin ist aber generell ein Produkt, das funktioniert, könnte man sagen, die Prozesse im redaktionellen Bereich laufen mittlerweile reibungslos ab», sagt er. Es könne aber noch viel gemacht werden im Verkaufsbereich. Sinka ist dennoch sehr zufrieden mit der bisherigen Leistung: «Wir haben eine Auflage von 3000 Exemplaren. » Nicolas Walker weiter: «Wir wollen mit dem Magazin nicht bloss eine Plattform für Künstler und Autoren bieten. Wir wollen ein Produkt machen, das ein zeitgenössisches Kulturabbild darstellt, in dem über aktuelle Themen und auch Unausgesprochenes diskutiert wird. Aber gleichzeitig soll das Magazin auch Bestand haben – es zeigt die Einstellungen zu Themen, welche die Menschen unserer Zeit beschäftigt », erzählt er. Daher sind auch die Themen sehr breit gewählt: Während das Titelbild mit den jeweiligen zwei Themen bloss einen ersten Eindruck vermittelt, entwickelt der Inhalt die gesamte Bandbreite. «Wir haben keine Definition der Begriffe festgelegt », erklärt Sinka. Erst beim Lesen soll der Leser ein Bild davon entwickeln können, was man heute etwa unter einem Begriff wie Angst versteht – aus verschiedenen Perspektiven und unter unterschiedlichen Einflüssen betrachtet.

Quottom, die Praktiker-Schule

Bei Quottom kommen die Inserate an erster Stelle. Sie sind alle gleich auf den ersten Seiten zu finden. So hat der Leser den Eindruck von einem Magazin ganz ohne Werbung. «Wir verstecken die Werbung eben gut», witzelt Yves Sinka. In Wahrheit habe man einfach gemerkt, dass dies die beliebtesten Seiten bei Inserenten seien. «Wir lernen immer mehr dazu, Quottom ist für uns wie eine Schule», beschreibt Sinka die Arbeit für das Magazin. So wisse man nach vier Ausgaben nun schon viel genauer, wann der richtige Zeitpunkt für Publikationen sei. Auch hat das 10-köpfige Team nun erkannt, dass ihr Magazin ein wenig zu gross und zu schwer war, um dieses unterwegs zu lesen. Daher erscheint Quottom nun viermal jährlich und wird dabei handlicher. «Keiner von uns hatte vorher schon einmal ein Magazin gemacht», erzählt Walker. Man habe einfach probiert und jeden Tag wieder etwas Neues gelernt. «Auch unsere Leser sind an Wissen interessiert », schätzt Sinka. Sie seien wohl neugierig, aufmerksam darauf, was in der Welt geschehe, und wollen wissen, wie junge Leute denken. Das Magazin will dem Vorwurf widersprechen, dass junge Leute an nichts anderem interessiert sind, als in den Ausgang zu gehen und sich ins Koma zu saufen. «Darin sind wir zwar schon auch Weltmeister», frotzelt Sinka, «aber wir können auch anders.» Mit dem Magazin wolle man zeigen, «es gibt auch junge Leute, die etwas auf die Beine stellen». Immerhin sind insgesamt 60 Personen am gesamten Prozess von Quottom beteiligt. «Und auch die Jungen wollen mitreden – das Quottom ist eine der Möglichkeiten dafür», wird Sinka wieder ernst. Vor allem funktioniere das bei Quottom auf eine Art und Weise, mit der man sich auch verbunden fühlen könne, meint Walker ergänzend. Dazu gehöre vor allem die richtige Aufbereitung, ohne dabei das Gefühl der «Unbetroffenheit » entstehen zu lassen – «Und dafür gibt es eben uns».

Ursina Maurer

In Kürze

Das umfängliche Kulturmagazin Quottom erscheint in neuer Grösse neu viermal jährlich. Die aktuelle Ausgabe liegt ab dem 3. Oktober 2014 am Kiosk auf. Themenbereich: «Heimat und Wahnsinn». Jede Ausgabe – mit einer Auflage von 3000 Exemplaren – beschäftigt sich mit zwei Themen, und deren Schnittbereich. Die ersten drei Ausgaben drehten sich um die Themenbereiche «Sexualität und Gewalt», «Chaos und Fortschritt», «Angst und Sehnsucht» im Vordergrund. In jeder Ausgabe vermengen sich Text und künstlerische Arbeit. Quottom Nr. 5 erscheint im Januar 2015, Ausgabe 6 im April 2015. Für 48 Franken bekommt man alle 4 Ausgaben pro Jahr nach Hause geschickt. Anfragen für Inserierungsmöglichkeiten an [email protected]

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