Der Radiowerber

Ralf Brachat hat sein erstes halbes Jahr als Managing Director bei swiss radioworld erfolgreich hinter sich gebracht – und sieht eine glänzende Zukunft für das Medium Radio.

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«Es war total spannend, bei swiss radioworld in ein bereits gut funktionierendes Unternehmen eintreten zu können und doch noch eigenen Spielraum zu haben. Gemeinsam mit meinem Team analysieren wir, wo noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Radiowerbung kann noch viel mehr als das, was wir von den üblichen Spots her kennen. Ich habe hier ein kreatives Team, das Ideen annimmt, weiterentwickelt und mit grosser Motivation umsetzt. Gemeinsam wollen wir als swiss radioworld das zentrale Bindeglied zwischen Werbetreibenden und allen Privatradios in der Schweiz sein und neue Werbeformen mit hohem Impact und Akzeptanz beim Hörer kreieren.»

Der Sommer war verregnet. Doch statt Tiefdruck erlebte die Schweizer Radioszene ein Hoch wie selten. Von Mai bis Juli erzielte die swiss radioworld (srw) ein Umsatzplus von durchschnittlich 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein im Juli waren es 30,5 Prozent. «Wir sind zuversichtlich, für Werbekunden und Radiostationen einen goldenen Herbst 2014 zu erarbeiten», zeigt sich Ralf Brachat deshalb optimistisch. Per 1. März 2014 hat der bisherige Co-Managing- Director bei Warner Music Switzerland die Verantwortung als neuer Managing Director der srw übernommen. Ralf Brachat folgte auf Bruno Oetterli, der weiterhin Delegierter des Verwaltungsrates ist. swiss radioworld ist am 1. Juli 2013 aus der Radio Unit der Goldbach Media hervorgegangen und agiert heute als eigenständiger Vermittler mit Sitz an der Seestrasse beim Bahnhof in Wollishofen. Die Organisation mit 13 Mitarbeitenden ist seither als ein Tochterunternehmen der Goldbach Group tätig. Mit der Gründung von srw sollte die Kompetenz, welche sich Goldbach Media als Vermittlerin sämtlicher Privatradios in der Schweiz bis dahin erarbeitet hatte, gebündelt werden und dem Wachstumspotenzial der Gattung Radio Rechnung getragen werden.

Die Gattung Radio blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück – und ist auch im Zeitalter des Internets nach wie vor das meistgenutzte Medium: Angefangen beim Aufstehen, dann auf dem Weg ins Büro und zurück – den ganzen Tag über. Um die Attraktivität auch in Zukunft hochzuhalten, arbeiten die Spezialisten bei srw zusammen mit Partner- Radiostationen daran, Wirkung wie auch aktuelle und künftige Nutzung aufzuzeigen sowie darauf aufbauende Angebote für Werbetreibende zu schaffen. «Radio-Kunden sollen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, die Detailplanung ihrer Werbeaktivitäten nehmen wir ihnen gern ab. Wir bieten individuelle Lösungen in standardisierten Prozessen, welche messbare Resultate auch im Zusammenspiel mit anderen Werbeträgern erzielen», erklärt Brachat. Mit seinem Team will er Produkte etablieren, die über den reinen Radiospot hinausgehen. «Obwohl wir uns natürlich bewusst sind, dass Spot- Kampagnen unser Hauptgeschäft sind. Wir sind sehr aktiv im Gattungsmarketing und möchten unsere Kunden darin bestärken, dass Radio durch seine Schnelligkeit, Flexibilität und Intensivität mit eines der wirkungsvollsten Medien ist.» Die Medienexperten bei srw suchen, analysieren und kommunizieren Trends im Business-Ökosystem «Radio». Sie sind die erfahrenen Partner der privaten Radiostationen und begleiten diese mit massgeschneiderten Lösungen in die digitale Zukunft. «Neue Technologien bieten neue Chancen. Wir verstehen uns als Trendscouts im digitalen Markt, stets auf der Suche nach neuen Opportunitäten. Die passen wir auf die Bedürfnisse des hiesigen Marktes an und entwickeln gemeinsam mit unseren Partner-Stationen attraktive neue Werbeplattformen », umschreibt Brachat seine Aufgabe. «Es hat noch Luft nach oben», meint er zu der Frage, ob der Markt stagnieren oder weiter wachsen wird. «Zu unseren bestehenden und langjährigen Partnerschaften sind aktuell interessante Neukunden hinzugekommen, denn wir konnten unter Beweis stellen, dass Radio für gute Brands einiges bewegen kann. So ist es uns auch gelungen, Kunden, die lange nicht mehr an Radio gedacht haben, wieder an Bord zu holen.» Das hat sicher auch damit zu tun, dass Ralf Brachat mit seinem Sales Team persönlich die Agenturen besucht. «Ich bin mit meinem Sales Team intensiv auf Roadshow, wir stellen uns und unsere Vision vor», erklärt der Managing Director einen wichtigen Teil seiner Aktivitäten in der neuen Funktion.

«Das Image des Mediums Radio braucht ein Brush-up und für diese Verjüngung möchte ich mich aktiv einsetzen», verspricht der 1971 Geborene. Dazu gehört auch die Weiterführung der grossen Gattungsmarketingkampagne «Marketingrappen», mit der srw bereits 2012 startete. Pro vermittelte Werbesekunde bezahlen die Stationen einen Rappen und SRW verdoppelt anschliessend die Summe. Die so gewonnenen Mittel fliessen anschliessend in Gattungswerbung, Marktforschung und eigens gegründete Portale wie zum Beispiel das Radiospot- Archiv.

Die Zeit ist reif, denn das Medium Radio erlebt in Kombination mit dem Internet ein Revival. Radiokonsum über das Handy oder Webradio wird in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. «Hier liegt das grosse Potenzial. Webradio kombiniert die Stärken von Radio und Web und erschliesst neue Zielgruppen mit geringem Streuverlust.» Ein weiterer Zugang zur neuen Radiowelt findet sich mit dem «Radiocircus». Hier ist swiss radioworld das schier Unmögliche gelungen: Erstmalig für die Schweiz sind über 30 Radiostationen auf der grössten Schweizer Privatradioplattform vereint. Angeboten werden Inhalte wie Newsfeeds, Playlists, Veranstaltungskalender und Podcasts. Buchbar ist das Werbeformat Audio inklusive Banner. Die ursprüngliche Audio-Werbung der einzelnen Stationen wird unverändert ausgestrahlt, kann aber neu durch die Schaltung einer Pre-Roll-Ad ergänzt werden. «Es werden weitere Plattformen auf den Markt drängen. Pandora beispielsweise hat den Radiomarkt in den USA aufgemischt – ähnliche Angebote werden auch in Europa hinzukommen», sieht Brachat in seiner Analyse. Er ist auch überzeugt: «Die jungen Radiohörer wollen heute ihre Musik nicht mehr besitzen, sondern konsumieren. Für solche Möglichkeiten sind sie auch bereit, etwas dafür zu bezahlen.» Umbrüche in bestehenden Märkten, die konnte Ralf Brachat im Verlauf seiner Karriere aus den verschiedensten Warten beobachten, denn vor seinem Eintritt bei srw hat er die Audio-Branche in wechselnden Funktionen bei Warner Music kennen gelernt.

«In der Musikbranche beginnt die Laufbahn meistens als Promotion-Manager. Das heisst, man holt Künstler in die Schweiz und bietet diese den Medien für Interviews an», erinnert sich der Sales- Spezialist an seinen Karrierestart bei Warner Music. Danach wechselte er kurzzeitig in die Finanzbranche, zu Eurocard. «Aber dieser Abstecher in die Finanzwelt war nicht mein Ding. Schon der Umstand, dass sich alle gesiezt haben, war für mich eine Art Kulturschock.» Bei Warner ging es diesbezüglich lockerer zu. «Die Musikbranche ist vor allem ein People-Business », beschreibt er die Stimmung. «Man muss aber kein Instrument beherrschen, um eine Band promoten zu können, da sind gute Kontakte zu Journalisten hilfreicher. Da kommt es auf die eigene Persönlichkeit an und nicht auf eine fachspezifische Ausbildung. » Trotzdem hat Ralf Brachat in dieser Phase nebenbei noch das eidgenössische Diplom als Verkaufsleiter erworben.

An seine Zeit mit den Musikstars aus aller Welt erinnert er sich gerne. «Auch wenn einige darunter Diven waren.» So kam für einen Rockstar nur eine ganz spezielle Suite infrage, mit einem anderen musste er zwei Tage lang in jeder freien Minute Schach spielen. Aber wenn der Schachgegner ein Mitglied der Scorpions ist, nimmt man als «Jungspund » dieses «Opfer» natürlich gerne in Kauf. «Stars, die andere nur aus dem Fernsehen kennen, hautnah zu erleben und durch die Schweiz zu begleiten, das hat mir damals schon gefallen», blickt Ralf Brachat auf seine wilden Jahre bei Warner zurück.

Allerdings sind auch Traumjobs nicht vor Problemen aus dem realen Leben gefeit. Zusammen mit dem digitalen Wandel hat in der Musikindustrie ab 2001 auch ein Umsatzrückgang seinen Anfang genommen. Für Ralf Brachat bedeutete dies zuerst einmal «kämpfen». Denn der Promotion-Manager wurde 2004 zum Sales Director befördert, mit dem Auftrag, bei Warner das Digital Business aufzubauen. 2003 war iTunes in den Schweizer Markt eingetreten. «Mit dieser legalen Download-Methode mussten wir nun versuchen die Verkaufseinbrüche, die uns die Piraterie beschert hatte, wieder etwas aufzufangen.»

Damals arbeiteten bei Warner Schweiz bis zu 36 Leute. Als 2004 ein Investor den Schweizer Ableger aus dem Time-Warner-Konzern heraus kaufte, musste die Belegschaft von einem Tag auf den anderen halbiert werden. «Diesen Montag im Büro werde ich nie vergessen», sinniert Brachat. Für ihn resultierte dieser Einschnitt allerdings positiv, er wurde beim drittgrössten Label der Schweiz zum Co-Managing- Director befördert.

«Der Job hat mir bis zum letzten Tag Spass gemacht. Ein super Umfeld mit all den Künstlern und den internationalen Managern und Labels. Im Zug der musikalischen und technischen Entwicklung ist ständig etwas Neues dazugekommen.» Auch seine Umgebung wäre nie auf die Idee gekommen, dass er diesen prestigeträchtigen «Traumjob» als Geschäftsführer eines Musiklabels aufgeben möchte. «Aber nach 15 Jahren und in meinem Alter von 43 ist dann schliesslich der Punkt gekommen, wo ich grosse Lust auf eine Veränderung hatte und etwas Neues kennen lernen wollte», begründet Ralf Brachat seinen «Abgang auf dem Höhepunkt» und den Wechsel in die Werbebranche.

Andreas Panzeri
 

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