Schon wieder eine App?

Viele Unternehmen nutzen das Potenzial von Smartphones noch immer nicht aus, um die junge Öffentlichkeit zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie «European Communication Monitor (ECM)». Digitale Experten raten trotzdem, überlegt an die Projektierung von Apps heranzugehen. Denn viele Apps bleiben unbenutzt im Store liegen. Die Werbewoche hat nachgefragt: Machen Apps für die Unternehmenskommunikation überhaupt noch Sinn?

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Responsiv statt App

 
Eine überstürzte Projektierung von Apps und Social-Media-Kanälen ist nicht ratsam. In der mobilen Kommunikation sollten sich Unternehmen erst mal auf einen anderen Bereich konzentrieren, anstatt eine aufwendige App zu gestalten und auf allen Social-Media-Kanälen präsent zu sein. So gibt es noch extrem wenige Corporate Websites, die auch responsiv sind. Da hinkt die mobile Kommunikation in der Schweiz noch sehr hinterher. Darum lohnt es sich in den meisten Fällen viel mehr, die unternehmenseigene Website für mobile Kommunikation zu optimieren, sie responsiv zu machen, damit auch das Problem der verschiedenen Devices wegfällt. So läuft die Website jederzeit ideal, auch wenn neue Geräte auf den Markt kommen. In den meisten Fällen macht das am meisten Sinn. Und in diesem Bereich gibt es noch sehr viel Potenzial, gerade auch, da die Mobile-Nutzung in der Schweiz enorm hoch ist. Konkret bedeutet eine Optimierung aber nicht nur, dass die Website für alle Bildschirme geeignet ist. Wichtig ist dabei vor allem der Inhalt. Oft werden mobile Websites inhaltlich extrem reduziert. Gerade damit blockiert ein Unternehmen jedoch den Nutzer. Man sollte stattdessen unbedingt alle Funktionalitäten einbehalten, aber anders darstellen. So etwa könnten bestimmte Themenbereiche mobil mehr in den Fokus gerückt werden, etwa der Standort oder News. Diese sollten als Erstes sichtbar sein, während auf der Standard-Website andere Themenpunkte zentral sind. Der Nutzer wolle einfach generell je nach Device andere Daten zuerst sehen.

App-Trend ist schon wieder rückläufig

Vielen Kunden wollen nun unbedingt im App-Bereich etwas machen. Dieser Trend ist aber schon langsam wieder rückläufig, vor allem international. Doch meistens hat der Kunde dabei nicht konkret überlegt, was denn der Nutzen für das Unternehmen wäre. Eine App ist ausserdem mit relativ hohen Kosten verbunden. Da die Projektierung und Umsetzung einer App jedoch sehr aufwändig ist, macht das oft dann gar nicht so viel Sinn.

Apps werden nicht oft genutzt

Eine App muss der Konsument erst runterladen, was aber gerade für Endkunden eine grosse Hürde ist. Bevor jemand eine App installiert, müsse diese auch tatsächlich von Interesse sein. Das sieht man auch im App-Store: Da schwirren Unmengen an Apps von Unternehmen rum, welche aber niemand benutzt. Denn der Aufwand ist für den Nutzer einfach zu gross.

Machen Apps überhaupt noch Sinn?

Es gibt sicher Apps, die absolut Sinn machen, so Feurer. Etwa die SBB-App. Diese hat auch einen ganz klaren Nutzen sowie Funktionen, welche auf einer mobilen Website nicht möglich wären. So zum Beispiel die Anbindung mit dem Shop oder auch die Möglichkeit des Ticket-Kaufs*. Zudem braucht man diese Funktionen sehr oft und national. Sinn macht auch, wenn man mit der App beispielsweise auf die Kamera zugreifen kann. Aus diesen Gründen sind die User dann auch bereit, eine solche App zu installieren. Oft scheitert jedoch die Einführung einer neuen App an einer schlechten Umsetzung. Denn gerade wenn eine App nicht nutzerfreundlich, einfach und ohne Probleme zu bedienen ist, wird sie sofort nicht mehr genutzt. Das Benutzergefühl ist hierbei essenziell. International ist der Standard von Apps relativ hoch. Am Standard von Facebook- App oder WhatsApp gemessen, fallen so weniger gut konzipierte Apps dann sehr schnell aus dem Sichtfeld. Eine gute Umsetzung darf auf keinen Fall unterschätzt werden.
 
* Wie genau die SBB ihre mobile Kommunikation in die gesamte Kommunikationsstrategie integriert und wie sie plant, die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation in Zukunft noch besser zu nutzen, dazu wollte sich die Medienstelle der SBB ausführlich äussern. Eine konkrete Beantwortung des Fragebogens blieb jedoch, trotz mehr als 3 Wochen Vorlaufzeit, schlussendlich aus.
 
Die Digitalagentur Y7K steht zwar noch in den Kinderschuhen – sie wurde vor rund einem Monat gegründet. Nichtsdestotrotz sind die Jungunternehmer Yves Sinka, Ruben Feurer, Samuel Alder und Joris Noordermeer digital auf dem neuesten Stand. Sie entwickeln Web-Apps und Websites neuester Generation. Ausserdem bringen sie Erfahrung in die neu gegründete Agentur: Ruben Feurer (Art Director) hat zuletzt in London bei der Digital Production Company UNIT9 ein Design-Team mit aufgebaut und Projekte für Unternehmen wie Google, Nike und Salvatore Ferragamo geleitet. Yves Sinka (Business Development) hat als Account Manager Werbung für Kunden wie Adidas, L’Oréal und Tabasco umgesetzt und als Producer beim Relaunch der Ministry-of-Sound-Website mitgewirkt. Samuel Alder (Interaction Design, Development) sammelte seine praktischen Erfahrungen als Developer und Designer in Zürcher Digitalagenturen wie Hinderling Volkart. Joris Noordermeer (Technology) war in Tokyo bei der Media Production Agentur Augment5 tätig, wo er bei Projekten für Google mitwirkte.

Y7K: Digitale Projekte

Y7K entwickelt neben Auftragsarbeiten auch eigene Produkte. So etwa einen digitalen Styleguide. Dieser bietet Vorlagen für die Gestaltung und den Aufbau von responsiven Websites und Apps. Der digitale Styleguide soll hierfür alle Bausteine enthalten. So können etwa alle Updates über das gleiche Instrument laufen und wirken dann gleich für die gesamte responsive Website. «Der digitale Styleguide ist eigentlich dasselbe, was im Printbereich die Corporate-Design-Vorlage ist», so Feurer. Eine solche Vorlage entwickelt Y7K aktuell für einen Kunden. Ein weiteres Grossprojekt ist «NeverlandSpace.com». Auf dieser Site wird digitale Kunst ausgestellt. Man wolle damit die Net-Art-Bewegung ansprechen, welche sich online am Entwickeln sei, erläutert Feurer. Als Yves Sinka etwa als Kurator für eine Popart-Galerie in Zürich tätig war, fiel ihm auf, dass diese Art der Kunst noch nicht wirklich kuratiert werde. Sie sei zwar auf Tumblr und Blogs zu finden, aber dort eigentlich im falschen Kontext – zwischen Katzenbildern und Selfies. Neverland-Space hat monatlich nun diverse Ausstellungen mit verschiedenen Künstlern aus der ganzen Welt. Auf diese Weise könne man digitale Kunst an einem Ort vereint präsentieren und kuratieren. «Das geht von Bewegtbild bis hin zu interaktiven Sachen», erzählt Feurer. Dadurch habe man auch schon relativ bekannte Künstler, wie etwa Yves Netzhammer, der an der Biennale die Schweiz vertreten hat. Das Ganze sei eine Art Galerie, aber halt digital, führt Feurer aus. Dieses Projekt werde man sicher weiterentwickeln.

Das dritte grössere Projekt von Y7K ist ein Instrument, mit dem Unternehmen das Corporate Design flexibler gestalten können. Diese müssen dann nicht mehr so statisch sein, sagt Feurer. Er verweist damit auf das CD von Swisscom, welche ein bewegtes Erscheinungsbild hat. Dies habe man jedoch noch eine Stufe weiterentwickelt, mit einer Art generativem Design. Damit können Unternehmen ihr Erscheinungsbild generieren, manuelle Prozesse fallen damit weg. Ein Briefbogen etwa wird mit diesem Instrument generiert und sieht, ohne dass man etwas machen muss, immer wieder ein wenig anders aus. Ein einfaches Beispiel wäre etwa ein Quadrat, das sich dreht, mit einem bestimmten Farbverlauf und drei verschiedenen Strukturen.

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Machen Apps überhaupt noch Sinn?

Statt überlegt und vorsichtig an die neuen Möglichkeiten mobiler Kommunikation heranzugehen, geht PRfact lieber eigene Wege. Dennoch wäre es aber die falsche Strategie, einfach eine App zu projektieren, weil man heute eine App haben muss. Im Mittelpunkt steht stattdessen immer die Story. Erst muss der Kunde die Ziele der Massnahme und vor allem den Inhalt – also die Story – festlegen. Das sieht man sehr gut an der ‹MiniMania›-Sammel-Aktion der Migros. Hier hat auch erst die Geschichte im Vordergrund gestanden: ‹Migros eröffnet 100 000 neue Filialen.› Diese Geschichte schlug ein. Eine App ist bei dieser Story einfach die logische Folge. Denn jede heruntergeladene App ist eine neue Filiale. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass Unternehmen ihre Daten unbedingt erst mobil zur Verfügung stellen sollten – am besten in responsive Design.

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Integrierte Kommunikation

Digitale Massnahmen machen in der mobilen Kommunikation nur dann Sinn, wenn sie auch durchgehend in die Kommunikationsstrategie des Unternehmens integriert sind und gleichzeitig einen zusätzlichen Wert bieten. Nach Einschätzung von 65 Prozent der ECM-Befragten ist die Einführung mobiler Kommunikation auch gleichzeitig die grösste Herausforderung. Gute Lösungsansätze sind gefragt. Denn noch immer haben in der Schweiz nur gerade zwei von drei Organisationen ihre Website für mobile Endgeräte optimiert. Und nur gerade mal jede vierte Schweizer Organisation hat einen mobilen Pressebereich für Journalisten.“

Diese Ansicht vertritt auch die Schweizerische Post: «Nie war es für Unternehmen wichtiger, ihre Kommunikationsmassnahmen aufeinander abzustimmen und somit die Wirkung zu maximieren», heisst es auf deren Website. Konkrete Anfragen zur Nutzung des Potenzials mobiler Kommunikation, zu Apps und einer integrierten Kommunikationsstrategie konnte die Post bis Redaktionsschluss nicht beantworten – trotz einer Vorlaufzeit von drei Wochen. Nicht klar ist, ob hierzu noch keine definitive Strategie steht, um zehn Fragen zur mobilen Kommunikation beantworten zu können, oder ob die Post mit einer grösseren Restrukturierung der mobilen und integrierten Kommunikation aufwartet und im Hinblick darauf noch schweigt. Auf diesbezügliche Nachfrage hiess es telefonisch, der Leiter Kommunikation der Post, Marco Imboden, hätte leider keine Zeit gefunden, den Fragebogen zu beantworten.

Ursina Maurer

PRfact: Digitale Projekte

Eine technisch gut umgesetzte und in die gesamte Unternehmenskommunikation integrierte App ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer. Daher hat PRfact eine App entwickelt, welche das gesamte Intranet von KMUs einbindet. Die Hauszeitung, das Schwarze Brett oder auch das gesamte Intranet: KMUs können ihre gesamte interne Kommunikation in einer App vereinen. Das bedeutet interne Informationen, Neuerungen, aber auch Suchfunktionen sowie die gesamten Funktionen der KMU-Website stehen als Hybrid-CMS hinter der App. Auf diese Weise hat jeder Mitarbeiter auch in seiner Freizeit auf aktuelle Mitteilungen Zugriff, ohne dafür etwa seine Mails öffnen zu müssen. Die Problematik der teuren App-Entwicklung sowie auch die Weiterentwicklung und Updates der App fallen dadurch weg.
 
Ein weiteres Projekt der mobilen Kommunikation von PRfact ist der «mobile Newsroom». Dieser ist eine Plattform, welche mobile auch grosse Datenmengen responsiv auf jeder Device in allen Netzen zur Verfügung stellt und die sozialen Netzwerke einbindet. Im individuell erstellten Kunden-Newsroom etwa sind alle digitalen Inhalte eines Online-Medien-Corners (Dokumente, Fotos, Videos) unter einem Online-Dach kompakt zusammengefasst. Dies für die verschiedensten Bezugsgruppen, von Medienschaffenden bis zu interessierten Konsumenten. So sind auf der Website nicht nur Presseberichte vereint, sondern auch Videos, Social Media und Endkunden. «Journalisten finden auf diese Weise etwa auf Twitter eine Geschichte, welche als Medienmitteilung nicht genug hergegeben hätte», erklärt Marc Schlittler. Umgesetzt wurde diese cloudbasierte Social-Media-Plattform für Inhalt- und Nutzermanagement mit Videokonvertierungssoftware von Pixel.

 

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