Der Motz von Butz: Dumme Werbung in intelligentem Umfeld
Doofe Werbung für clevere Leser – ist das wirklich eine gute Idee?
Warum versuchen Werbetreibende, mit doofer Werbung nicht-doofe Leser zu überzeugen? Das ist die Frage. Und diese Frage würde ich gerne an alle beteiligten Gremien, die Werbung erfinden und realisieren sowie in Werbung Auftrag geben, stellen. Warum erscheint die Werbung auf der Rückseite von redaktionellen Beiträgen so schwach und unebenbürtig? Da bezahlen die Werber derart viel Geld, um so unbeachtet und uninteressant zu sein.
Die Print-Redaktion einer Tageszeitung muss jeden Tag bis zu 50 Seiten an attraktivem Inhalt bieten. Die Werbewelt nimmt sich monatelang Zeit für Briefings, Diskussionen, Evaluationen, Schablonen und am Schluss ideenlose Ideen, die – wie gesagt -–für eine Menge Geld publiziert werden.
Zur Weltwoche Nr. 36 – kein Löli-Heft: Ich empfinde nicht alle Meinungen als die meinen, aber die Tonality ist hoch, unterhaltsam und interessant. Zwischen Seite 46 und 47, also der Mitte, gibt’s einen Beihefter mit 24 Seiten. «Suzuki News Herbst/Winter 2014/15» steht da geschrieben. Dieser Beihefter ist eben beigeheftet, sonst würde man diesen im Rundordner ablegen. Entschuldigt bitte diesen altmodischen Ausdruck, aber deleaten lässt er sich leider auch nicht. Also schauen wir uns mal diesen 24-seitigen Fremdkörper genauer an. «Fremdkörper» deshalb, weil im Gegensatz zur sensiblen und professionellen Gestaltung der Weltwoche diese Suzuki News unsensibel, nein grobschlächtig, ideen- und humorlos daherkommen. Der Inhalt dieser Präsentation der Suzuki- Modellreihe ist ein reines Informations-Chaos. Da werden Sondermodelle mit dem Namen Suzuki Swift, Piz Sulai oder Suzuki Jimny Sergio Cellano aufgezählt. Diese Zungenbrecher-Namen bilden aber nur ein Detail in diesen Kommunikations-Wirren. Da wird einem beispielsweise nebst den 220 Suzuki- Fachhändlern auch noch ein über 20 000-fränkiger Piz Sulai 4×4 mit Zusatzpaket angeboten. 4 Winterreifen, ein exklusiver Schlüsselanhänger, Bodenteppiche, Schneeschuhe und robuste Tourenstöcke aus Aluminium. Um diese tollen Zusätze gratis und obendrein abzugeben, hat man bei den Fotoaufnahmen gespart. Die Fotos sind dilettantisch mittels Fotoshop in emotionslose Schneelandschaften einkopiert. Lieber Herr Bachmann (Geschäftsführer Suzuki), Sie zeichnen ja mit Bild und Unterschrift für diese Werbeverkaufsbroschüre. Sicher haben Sie für viel Geld eine Menge dieser hässlichen Broschüren gedruckt. Und dabei noch gedacht, dass die Leser der Weltwoche für ca. CHF 35 000 Einschaltkosten auf solche dilettantische Anmache reinfallen.
Meine Theorie: Hier wurde mal wieder am falschen Ort gespart. Ist denn heute niemand mehr in der Lage, solchen Unsinn frühzeitig zu stoppen? Hässliche Werbung ist erfolglos. Erfolgsprodukte produzieren gute Werbung: IKEA, H&M, Apple, Audi, Tibits u.a. mehr.
Der Aufsteller der Woche war, dass alle roten Schnecken in unserem Garten, nachdem ich sie an der Schneckemannstrasse im Wald ausgesetzt habe, nicht wieder aufgetaucht sind.

