Der Motz von Butz: Warum ich motze
Eigentlich sollte ich mich nicht negativ über Werbung äussern. Hat sie mir doch viel gebracht.
Genau da beginnt das gespaltene Denken über die Werbebranche, sogar über die gesamte Kommunikationswelt. Um was geht es hier: Darum, wie, wann und wieviel Werbung, Social Media oder Public Relations es verträgt. Dies ist ein Geheimrezept und steht leider in keinem Buch geschrieben. Also meine Frage: Warum motze ich über schlechte Werbung? Ganz einfach, weil ich sie täglich erlebe, viel zu viel davon. Mit meinem Motz möchte ich als Aussenstehender der «big scene» die Gelegenheit nutzen, den Werbeverantwortlichen, den Werbeleitern, den Creative Directors und den Werbeagentur-Inhabern Mut machen, die Aufgaben nicht einfach zur besten Zufriedenstellung des Auftraggebers zu erfüllen.
Zu dieser Aufmunterung spendenden Aussage komme ich nur, weil ich täglich mit diesem Wust an abscheulicher und oftmals auch unverständlicher Werbung konfrontiert werde. Da ich als gelernter Grafiker sensibel und interessiert an diesem Knäuel nicht vorübergehen kann, erliege ich immer wieder dem Trieb, darüber zu motzen. Gelobt habe ich auch schon. Bevor ich mich entschied, vierzehntäglich Kritik zu üben, habe ich mich überhaupt nicht mehr mit Werbung beschäftigt. Dieses Desinteresse findet sich in etwa beim Durchschnitt der Bevölkerung. Es interessiert keinen und keiner schaut hin. Ich habe einmal erlebt, dass an einer Marktforschungsbefragung eine Philip-Morris-Konsumentin bei einem jährlich mit 15 Millionen Franken beworbenen Produkt keine Ahnung von dessen Werbung hatte.
Meine Theorie: Hier fängt eine neue Ära an. Stellt Euch vor, keiner schaut sich die Werbung mehr an. Und jetzt stellt sich die Aufgabe: Wie schaffe ich es, dass alle über mich sprechen? Indem ich im selben Trott, vielleicht mit einer Prise Pfeffer, aber eben in derselben Gangart weiter werbe oder aber Werbung betreibe, von der die Welt spricht. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass 90 Prozent der Werbeausgaben weggeschüttet werden. Jedenfalls bleiben bei mir nur an die 10 Prozent hängen, höchstens! Ich bin ein aufmerksamer Beobachter, weil das für mich als Motzer ein Must ist. Auf der andern Seite entdecke ich auch kleine Erfolge bei einer Kampagne, die ich in einer früheren Kolumne angemotzt habe: die neuen Coop-tschtsch- Werbespots zum Beispiel. Dabei denke ich an die drei Typen, die den Grill um des Fussballs Willen mit der Grillzange zusätzlich in einen Fernseher umwandeln. Eine Optimierung dieser Kampagne. Ich hoffe, meine Kritik hat mitgewirkt. Meinen Aufsteller der Woche kann ich erst heute Abend nach dem Match um 22.45 Uhr verfassen.

Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit drei Jahren auch noch
Motzer für die Werbewoche-Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]
