Zu guter Letzt: Testimonial Schnapsleiche

In Tokio wurden schlafende Betrunkene in eine Kampagne gegen Alkoholmissbrauch integriert.

Japanerinnen und Japaner arbeiten unter der Woche hart, lange und ausdauernd. Auch wenn sich in der aktuellen Generation der 20- und 30-Jährigen die Einstellung zu Arbeit und Familie ändert und Themen wie «Work-Life Balance» zunehmend an Wichtigkeit gewinnen, bleiben 15-Stunden-Tage an der Tagesordnung (Quelle). Umso grösser scheint das Bedürfnis zu sein, am Wochenende über die Stränge zu schlagen. Getrunken wird, bis man umkippt und irgendwo einschläft. Da viele Japaner an Alkoholintoleranz «leiden», braucht es dafür nicht einmal sonderlich grosse Mengen. Die zahlreichen Alkoholleichen scheinen laut Case-Movie folglich zum Strassenbild Tokios zu gehören und erregen nicht viel Aufmerksamkeit.

Die Bar-Kette Yaochi wollte die Bevölkerung sensibilisieren, vor dem kapitalen letzten Drink aufzuhören, um den Heimweg sicheren Schrittes antreten zu können. Dafür griff sie auf die Hilfe von Ogilvy & Mather Tokyo zurück. Die Agentur entwickelte eine Kampagne, die schlafende Betrunkene in menschliche Poster verwandelte. Mit Klebeband und vorgefertigten Schriftzügen wurden die Schlafenden so «geschmückt», dass sie zu den Hauptdarstellern einer abschreckenden Kampagne wurden. Mit dem Hashtag #Nomisugi – zu deutsch: «Zu betrunken» – wurden Passanten aufgefordert, die Schnapsleichen nicht nur zu beachten, sondern auch zu fotografieren und auf sozialen Netzwerken zu teilen. Ohne das japanische Datenschutzgesetz zu kennen: Vermutlich wird es sich bei den Schlafenden um Schauspieler gehandelt haben. Die Wirkung scheint die Kampagne dennoch nicht verfehlt zu haben. Und vielleicht fragt sich künftig der eine oder andere Passant, ob er wirklich nächstes Wochenende an der Stelle einer der schlafenden Schnapsleiche sein möchte. (hae)

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