Zu guter Letzt: Bücher im Wolfspelz
Ecuadorianer lesen lieber Boulevard-Zeitungen als Bücher – sehr zum Leidwesen der Buchhändler. Um dies zu ändern, legte McCann einen Köder aus.
Eine weitere Folge aus der Reihe «Werbeagenturen lösen Gesellschaftsprobleme». Die schlaftrunkenen mexikanischen Verkehrsteilnehmer hatten wir ja letzte Woche. Leo Burnett gewöhnte englischen Autofahrern das Trinken, Publicis mexikanischen Autolenkerinnen das Schminken ab. Die albanischen Autofahrer, die Fussgänger nur im Falle eines Trauerzugs über die Strasse lassen und von McCann Tirana eines Besseren belehrt wurden, hätten ebenfalls in die Serie gepasst.
Heute also die lesefaulen Ecuadorianer. Wobei «lesefaul» nicht ganz korrekt ist. Sie lesen – zumindest aus Sicht der Buchhandlung Librería Española – einfach das Falsche. Nämlich Boulevard-Zeitungen im beliebten Tabloid-Format. Sensationen den lieben, langen Tag.

Dagegen haben echte Bücher ohne bunte Bilder, reisserische Titel und Skandal-Geschichten einen schweren Stand. Es sei denn, man verpackt sie so, dass sie optisch die selbe Sprache sprechen. McCann produzierte eine Boulevard-Zeitung im Tabloid-Format und füllte sie mit Skandal-Storys, grossen Titeln und ebenso grossen Fotos. Der Witz: Alle Sensations-Geschichten entstammten Bestsellern des klassischen Buchmarktes. Am Ende jedes Artikels der Hinweis: «Wenn diese Geschichte Ihre Aufmerksamkeit erregt hat, müssen Sie das Buch XY lesen». Die Wirkung blieb nicht aus: Nicht nur, dass die ganze Auflage der Zeitung verkauft wurde und die Leute auf der Strasse über die Geschichten diskutierten – auch verzeichnete die Buchhandlung während der Kamapgne fast 30 Prozent mehr Zulauf. (hae)
