Zu guter Letzt: Ticket-Zirkus im Hause Ringier
DJ Bobo verkauft zu wenig Tickets. Zur Hilfe eilt – völlig überraschend – der Blick.
«Wenn ein Konzert, das von Ihrer Firma Good News organisiert wird, schlecht läuft und Ticketcorner – auch eine Ringier-Tochter – zu wenig Tickets verkauft, muss dann die Zeitungsredaktion das Konzert pushen?»
Und Marc Walder antwortete:
«Dann kauft Good News im Blick Inserate ein, das ist ein kommerzieller Vorgang. Mit der Redaktion wird darüber nicht gesprochen. Und wenn Madonna ein mieses Konzert gibt, dann schreibt dies der Blick auch. Und zwar gross. Letztlich führt unser Engagement in neuen Gebieten vielleicht sogar zum Gegenteil.»
(Bündner Tagblatt, 16.11.12)
Das klang einleuchtend und transparent. Auch wenn der am Montag erschienene Artikel über den schleppenden Vorverkauf von DJ Bobos «Circus»-Tournee auf den ersten Blick den Eindruck macht, als sei Buxhofers Vorstellung der werbetrommelnden Ringier-Medien inzwischen Realität geworden:

Wieder einmal ein Schelm, wer an Schleichwerbung denkt. Zumal Sätze wie «Und das, obwohl die Tickets im Verhältnis zu anderen Künstlern eher günstig sind. So kostet das günstigste 29.50 Franken.» nicht unbedingt den Verdacht einer unbefangenen Berichterstattung aufkommen lassen. Verglichen werden die Preise übrigens mit der Helene Fischer-Tour, die per Zufall auch ansteht – Tickets gibts bei Ticketcorner. Um das unauffällige Angebot abzurunden, wird am Schluss des Artikels direkt auf die Ticketcorner-Seite verlinkt – das wäre ja noch, wenn die Leserschaft sich den Weg zu den unbegehrten Tickets selbst suchen müsste.
Thomas Häusermann
