Zu guter Letzt: Ariels braune Wäsche

Kalkulierter Shitstorm oder weltfremdes Marketing? Waschmittelhersteller Ariel manövrierte sich mit der problematischen Zahl 88 ins Abseits.

Wer in Deutschland unbedacht mit der Zahl 88 hantiert, muss mit Gegenwind rechnen. Die Doppelacht steht in der Sprache der Neonazis seit jeher für «Heil Hitler», also zwei mal der achte Buchstabe des Alphabets (von hinten gezählt: SS). Denn «88» darf man sich auf ein T-Shirt drucken, «Heil Hitler» hingegen nicht. Das wissen eigentlich die meisten Menschen. Eine Ausnahme bildet scheinbar die Marketingabteilung von Procter & Gamble. Diese lancierte jüngst «Ariel 88»-Aktionspackungen. Absehbar, dass Hähme, Empörung und Unverständnis nicht lange auf sich warten lassen würden – die sozialen Medien griffen das Thema in Windeseile auf.

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Bild: Twitter.com

Zur Feier des WM-Jahres spendierte Ariel den Packungen, die normalerweise für 83 Waschgänge reichen, fünf Gratis-Portionen. Macht 88. Wieso nicht gleich zum Beispiel sieben Extra-Durchgänge gewählt wurden, steht in den P&G-Sternen. Dann hätte man nämlich die dankbare Zahl 90 erhalten – die Jahrezahl, in der Deutschland zum bisher letzten Mal Weltmeister wurde.

Natürlich stellt sich in so einem Fall die Frage, ob ein Shitstorm nicht auch kalkuliert sein kann. Immerhin weiss jetzt ganz Deutschland, dass die Ariel-Packungen zur Zeit besonders gross sind. Kein Medium, das nicht über die «Werbepanne» berichtete. «Sehr merkwürdig, der ganze Vorgang» schreibt W&V anlässlich des kommunizierten Rückziehers von Ariel. P&G twitterte nämlich am 8. Mai, die «Packung mit ungewollter Doppeldeutigkeit» werde seit Montag nicht mehr ausgeliefert. Dass der 8. Mai der Feiertag zum Ende des zweiten Weltkrieges ist, passte zur Geschichte genau so, wie Ariel auf die besagten Packungen auch noch prominent «Neue Konzentration» aufgedruckt hatte. Vermutlich doch kein Kalkül – eher unbeholfene Kreativität und unglückliche Zufälle. Oder wie es die Süddeutsche Zeitung ausdrückte: Die Werber von P&G könne nur verstehen, «wer selbst Tag und Nacht in so einer Firma rumläuft und nicht oft unter Leute darf».

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Übrigens: Fussball-Trikots mit der Nummer 88 gibt es tatsächlich. Nati-Captain Gökhan Inler trägt sie in Italien. Aber nicht etwa, weil er mit rechtem Gedankengut sympathisieren würde, sondern weil seine Lieblings- und Glückzahl Acht schon besetzt war. Und dann hat er sich so an die Zahl gewöhnt, dass er sie auch nach dem Vereinswechsel von Udinese zu Napoli behielt.

Thomas Häusermann

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