Bewegte Bilder, erstarrte Kriterien

In Hamburg hat «Die Klappe» die besten Bewegtbilder aus dem DACH-Raum ausgezeichnet. Dabei hat sich gezeigt: Im crossmedialen Zeitalter müssen auch für die Bewertung von Filmen neue Kriterien gesucht werden.

Seit die «Bilder laufen lernten» herrscht Bewegung in der Filmszene. Und die wurde ständig mehr. Deshalb ist in der Werbebranche vor ein paar Jahren der neue Begriff «Bewegtbilder» für den guten alten TV-Spot eingeführt worden. Weil ein solches Reklamevideo immer mehr auch mit andersformatigen Filmen an Messen, auf E-Boards oder schliesslich im Netz konkurrenzieren musste. Inzwischen sind der Abspielmöglichkeiten noch einmal ein paar mehr geworden und bewegte Bilder finden sich crossmedial quer durch alle Kommunikationsmassnahmen. Nur noch in wenigen Fällen ist der Film dabei das Hauptmedium. Meistens funktioniert die «siebte Kunst» nur noch als eine Ergänzung oder Dokumentation innerhalb einer multimedial inszenierten Idee. Diese Entwicklung sorgt inzwischen immer mehr auch für bewegte Diskussionen an «Film»-Wettbewerben. Was soll hier beurteilt werden?

Wie inzwischen bei vielen Festivals, mussten auch bei der «Klappe» in Hamburg in der gleichen Kategorie Birnen mit Äpfeln verglichen werden bzw. Casefilme für die Eigenwerbung der Agentur gegen viral verbreitete Gags ohne weitere Erklärung, aber 4 Millionen Klicks, Spots gegen Interview-Collagen oder Musicvideos gegen einen Zusammenschnitt von verschiedenen Wettervorschauen antreten und bewertet werden. Die Kriterien, welche die einzelnen Jurymitglieder anwenden wollten, wurden nicht von allen gleich interpretiert. Es sei deshalb hier zusammengefasst: Mit der crossmedialen Entwicklung funktioniert heute alles übers Kreuz und das hat auch völlig neue Kreuzungen an Ideen hervorgebracht. Eine nächste müsste sein, diese Erkenntnis auch ins Wettbewerbsbusiness einfliessen zu lassen. Ansonsten scheint das Interesse an solchen Awards weiter ungebremst. Bei 305 Einreichungen waren das 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 20 Prozent davon haben eine Klappe gewonnen. Für die Schweiz hat es nur zwei bronzene gegeben für Swisscom. Auch aus Deutschland sind keine «Abräumer» aufgefallen. Am meisten Gold hat Heimat eingefahren, für Hornbach und Otto. Detaillierte Infos zu allen Gewinnern finden sich auf Dieklappe.de.

Andreas Panzeri

Die Bilder zum Artikel finden Sie in der PDF-Version.

 

More articles on the topic