Zur Sache: Himmel und Hölle
Das Werbewoche-Editorial «Zur Sache» von Chefredaktor Pierre C. Meier erscheint ab sofort auch im Newsletter.
Lassen Sie mich mit dem Schiffbau-Meeting beginnen. Eine hochkarätige Veranstaltung mit Prominenz aus Wirtschaft, Politik, Werbung und Medien. Wie immer stand ein prominenter Redner im Mittelpunkt. Dieses Jahr war es der deutsche Philosoph und Publizist (u.a. «Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?»; «Die Kunst, kein Egoist zu sein») Richard David Precht. Zu Beginn ein Referat von Pietro Supino, dem Tamedia-Verwaltungsrats-Präsidenten. Es ging unter anderem um die Wichtigkeit des Journalismus und um die immer stärker auch in der Schweiz gefährdete Pressefreiheit. Das Referat war prägnant und hatte die richtige Länge resp. Kürze. Ich fand es gut.
Dann der Auftritt von Richard David Precht. Von Aussehen und Styling her zur Fraktion der modischen Salon-Intellektuellen gehörend, sprach er über Egoismus und Moral. Philosophie, ein Thema, das die wenigsten Zuhörer – so meinte Precht auch in seiner Begrüssung – vor Begeisterung in Ekstase verfallen lässt. Was aber Precht in seinem ausführlichen Vortrag daraus machte, war meiner Ansicht nach bemerkenswert. Das an und für sich doch eher dröge Thema wurde von ihm so «doziert» – und zwar im guten Sinne –, dass ihm die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Zuhörer sicher war. Seine Gedankengänge waren klar und schlüssig, die Beispiele beeindruckend. Und das alles in freier Rede, ohne Manuskript und erst noch druckreif. Auch in der anschliessenden Diskussionsrunde mit TA-Chefredaktor Res Strehle liess sich Precht nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht mit Fragen zu spezifisch schweizerischen Themen. Mir hat es gefallen.
Diese Woche dann die ComSum14. Sie stand unter dem Thema «Die digitale Herausforderung». Angekündigt waren Frank Schirrmacher, Pietro Supino, Christine Maier und Veit Dengler. Die ursprünglich angekündigte Miriam Meckel liess sich schon im Vorfeld entschuldigen. Schirrmacher, der ein Einführungsreferat hätte halten sollen, fiel krankeshalber aus. Supino sprang verdankenswerterweise ein und hielt ein interessantes Referat. Das war es aber dann auch schon. Ein völlig chaotischer Lipp moderierte einen langweiligen, ausufernden Talk weitab vom Thema. Ironisch ein Twitterer: «Maier hat nichts zu sagen, Supino wird angegriffen, Dengler interessiert’s nicht. War ein toller Abend.» Recht hat er. Sorry Kollegen: Mir hat es nicht gefallen.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
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